Kommentar

„Bier“ von Peter Laudenbach

Nicht nur wegen der Vor- und Nachbereitung der Theaterkunst in der Kantine lohnt es sich, über die tragende Bedeutung einer bewusstseinserweiternden Substanz in der Theatergeschichte nachzudenken, „einen ganz besond’ren Saft“ (Goethe): Bier

Peter Laudenbach

Ohne Bier kein Absturz in Auerbachs Keller. Samuel Beckett schätzte das entspannende „Frühstücksbier“. In Heiner Müllers Stück „Der Lohndrücker“ heißt es völlig zu Recht: „Ein Bier, und vor Dir steht ein Kommunist.“ Dabei waren die Herren Goethe, Beckett und Müller keine großen Biertrinker. Der Hesse Goethe bevorzugte Wein. Heiner Müller und Beckett ernährten sich von Whisky.  Über den Schriftsteller William Faulkner sagte der Scotch-Kenner Müller in aufrichtiger Bewunderung den schönen Satz: „Seine Religion war der Bourbon.“
Derzeit wird Bier zum Leitmotiv in der heiteren Dercon-Volksbühnen-Farce. Dercon klagte in einem Interview über dieses schreckliche Berlin, neulich hätte ihm jemand in der Öffentlichkeit ein Bier über den Kopf gekippt, vermutlich ein Volksbühnen-Fan. In Castorfs „Faust“-Inszenierung wird diese Szene liebevoll nachgespielt. Alexander Scheer, der in der „Faust“-Szene als Dercon-Double die Bierdusche abbekommt, hat die schöne Tradition weitergeführt, indem er dem lustigen Kulturpolitiker-Darsteller Tim Renner bei einer Film-Premiere mit Schwung ein Bier über den Kopf gekippt hat, Prost. Einerseits ist so eine gemütliche Droge wie Bier natürlich unter der Würde der an härtere Stoffe gewohnten Volksbühne. Andererseits: Wenn’s hilft, soll man den zuverlässigen Helfer nicht verschmähen.

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