• Kultur
  • „Black Hole“ in den ?Sophiensaelen

Kultur

„Black Hole“ in den ?Sophiensaelen

Der Maler Martin Eder betreibt mit großer Energie sein musikalisches Doom-Metal-Projekt Ruin, bei dessen Konzerten für derlei Reize empfängliche Hörer das Gefühl genießen dürfen, gerade sehr langsam und aufs Angenehmste im Schlund der ­Hölle zu versinken. Bei einer dieser schwarzen Messen in der Volksbühne lud Eder die Musiker des Solisten­ensembles Kaleidoskop zur Mitwirkung ein. Die Kaleidoskop-Streicher spielten inmitten der Ruin-Doom-Wellen und des Laser- und Nebel-Twilights leicht verfremdete Passagen aus Werken von ­Ligetti und Schubert, auf dass alle Fürsten der Finsternis ob dieser Schönheit erschauderten.
Seit Jahren überlegen Eder und das immer experimentierfreudige Solistenensemble, wie man die Kollaboration dieser einander nur scheinbar fremden Kunstwelten vorantreiben oder einfach zusammen etwas Schönes oder Düsteres oder auch schön Düsteres vollbringen könnte. Jetzt laden Kaleidoskop und Eder zu ihrer musikalischen Installation „Black Hole“ in die Sophiensaele, bei der das Publikum nicht einfach von gesichertem Terrain aus die Bühnendarbietungen betrachtet, sondern Teil des Kunstrituals mit Musik von Ockeghem, Pärt, Tenney und Valikoski im schwarzen Loch der Raumbühne wird.
Ausgangsmaterial sind unter anderem Arbeiten des griechischen Trauer-Therapeuten und früheren Opernsängers Jorgos Canacakis, die unter dem verheißungsvollen Titel „Ich sehe Deine Tränen“ an ältere Formen des Requiems anknüpfen. Im Grenzverkehr zwischen Bewusstem und Unbewusstem werden auch die Kräfte des ausgebildeten Hypnotiseurs Martin Eder wirken, auf dass sich die Tore zu einer jenseitigen akustischen und visuellen Zwischenwelt weit öffnen und das geneigte Publikum einen tief entspannten Wachzustand erfährt.
„Erobere Dein Grab“, lautet derzeit das ästhetisch-politische Programm der Volksbühne. Nichts weniger als die Frage, wie sich dieses Programm musikalisch-rituell verwirklichen lässt, versprechen Eder und Kaleidoskop in den Sophiensaelen zu erkunden.     ?   

Text: Peter Laudenbach

Foto: Johan Sandberg

Sophiensaele Do 25.–So 28.2., 20 Uhr, Eintritt 14, erm. 9 Euro

Mehr über Cookies erfahren