Theater

„Böse Körper“ in den Sophiensaelen

Winkler_Christoph_BoeseKoerperWas ist „Das Böse“? Den Bildern, Vorstellungen, kulturellen Codes des Bösen widmet sich der Choreograf Christoph Winkler in seiner jüngsten Produktion in den Sophiensaelen, die parallel in den nächsten Wochen eine kleine Werkschau des Choreografen zeigen. Da beschreibt eine Tänzerin einen blonden Typen mit stahlblauen Augen, denen man nicht auf den Grund gehen könne, während ein anderer einen Panikanfall bekommt. Wir erfahren, dass ein geeignetes Opfer Mann, Frau, Kind, schwach oder unschuldig sein muss, unter der Dusche steht, nachts lange fernsieht oder im Keller seltsame Dinge findet. Beteuerungen, diese Hände hätten niemals jemanden geschlagen und jene Füße niemals jemanden getreten, werden begleitet von seltsamen Zuckungen des Torsos, entgleisenden Gliedmaßen und verdrehten Zungen. Das Nachstellen einer Szene aus „Taxi-Driver“ reduziert den Akt der Bedrohung auf klare Körper- und Raumwege. Und auch wenn nach mehrfacher Wiederholung die individuelle Gestaltung einzelner Tänzer hervortritt, wird hier vor allem deutlich: Das Böse ist nicht im Körper verortet, sondern im Kopf. Und an dessen Abgründe ist durch rein körperliche Repräsentation und choreografische Verarbeitung nicht ranzukommen. Die aus dem Kontext genommenen Gesten des Bösen integriert Winkler in seine eigenwilligen und interessanten Tanzsequenzen, ihre eigentliche Wirkung oder deren Analyse aber bleibt er uns schuldig.

Text: Elisabeth Nehring

tip-Bewertung: Zwiespältig

Böse Körper Sophiensaele, Do 14.+Fr 15.4., 21 Uhr

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