Wirtschaftskrimi

Bühne als Beute

Das Theater am Kurfürstendamm könnte einem ominösen Investor zum Opfer fallen

Foto: Thomas Grünholz
Foto: Thomas Grünholz

Der Rechtsstreit zwischen dem Theater am Kurfürstendamm und einem undurchsichtigen Investor namens Propco 1 S. à.r.l. geht in die nächste Runde. Mitte Oktober erklärte das Landgericht die fristlose Kündigung der Bühne für rechtens. Diese geht jetzt in die nächste Instanz vor das Kammergericht und ist entschlossen, notfalls bis zum Bundesgerichtshof zu ziehen. Der Investor hat das Filetgrundstück am Ku’damm für über 100 Millionen Euro erworben. Jetzt will er es entmieten, um Platz für Neubauten für Einzelhandel und Büros zu schaffen. Für das in dritter Generation von der Familie Woelffer geführte Privattheater wäre es das Aus. Von dem Angebot, im Keller des Neubaus ein Theater einzurichten, hält der Intendant Martin Woelffer nichts: Ein Boulevard-Theater gehört auf den Boulevard und braucht Laufpublikum.

Die Berliner Politik hat der drohenden Zerstörung des Theaters eher desinteressiert zugesehen. Für Marc Schulte, den zuständigen SPD-Bezirksstadtrat, hatten Investoren-Wünsche offenbar Vorrang. „Herr Schulte spricht nicht mit uns, den Investoren rollt er den roten Teppich aus. Auch Kulturstaatssekretär Tim Renner hält sich vornehm zurück“, sagt Reiner Geulen, der Anwalt des Theaters. Die Bühne mit gut 200.000 Besuchern im Jahr ist nicht irgendein Theater: Gegründet von Max Reinhardt, erbaut von Architekt Oskar Kaufmann, dem Berlin auch die Volksbühne und das Hebbel Theater verdankt, ist es ein Stück Theatergeschichte.
Hinter dem Konflikt steckt mehr als ein brachialer Fall von Gentrifizierung. Die Anwälte der Bühne recherchierten, dass die Propco 1 S. à.r.l.  zur Hälfte der Münchner Firma Cells Bauwelt und zur anderen Hälfte der Luxemburger Tochter einer Briefkastenfirma mit Sitz in Panama gehört, die von Zypern aus geleitet wird. Der Sinn der verschachtelten Firmenkonstruktion ist es offenbar, Besitzverhältnisse zu verschleiern.

Miteigentümer soll der russische Geschäftsmann Mikhail Opengeym aus dem Umkreis der Oligarchen und Putin-Freunde Arkadi und Boris Rotenberg sein. Da die ­Rotenbergs als Unterstützer der Seperatisten in der Ost-Ukraine auf einer schwarzen ­Liste der EU stehen und hier nicht investieren dürfen, wüsste Anwalt Geulen gerne, ob es sich bei Opengeym um einen Strohmann der Oligarchen-Brüder handelt.

Hinter der Auseinandersetzung zwischen dem Theater und dem ominösen Investor könnte ein veritabler Wirtschaftskrimi stecken. Der Rechtsstreit wird sich über die kommenden Jahre hinziehen. Bis dahin spielt das Theater weiter.

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