Theater

Calixto Bieitos „Der Freischütz“

DerFreischuetzMan kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Calixto Bieito seit 2004 dem großen Erfolg seiner Inszenierung von Mozarts „Die Entführung aus dem Serail“ an der Komischen Oper hinterherläuft. Aber es klappt nicht. Damals gelang es ihm, die Abgründe in einer gemeinhin als harmlos geltenden Handlung und als hübsch bezeichneten Musik aufzuspüren – ein heilsamer Schock. Ähnliches versucht er nun am gleichen Haus mit Carl Maria von Webers „Der Freischütz“.

Doch vergebens, denn was da als „psychologischer Thriller“ verkauft wird, ist nichts als eine mühsam aufgeblasene Finte. In Webers Oper ist der Dreißigjährige Krieg gerade vorbei, die Gesellschaft bewaffnet, verstört, traumatisiert. Wie kann der Übergang zum Frieden glücken, wenn nur blutrünstige Rituale zur Verfügung stehen? Der katalanische Regisseur legt gleich unappetitlich los: Am Anfang wird eine Frau von der Dorfbevölkerung wie ein Opfertier gejagt, getötet, ausgenommen, später wird ein entführtes Brautpaar bestialisch ermordet. Was uns wohl zeigen soll, dass Max, der verunsicherte Held, Angst vor seiner Hochzeit hat. Prompt zieht er sich aus, beschmiert sich durchgedreht mit Erde und verbringt – hier bin ich Tier, hier darf ich’s sein – den Rest der Aufführung so nackig wie bemitleidenswert.

Der Wald ist entlaubt, das Volk roh, die Inszenierung wirr, die Ekelschwelle niedrig. Bieito hat diesmal mit Tiefenanalyse und inhaltlicher Vielschichtigkeit nichts am Effektjägerhut und dazu passend dirigiert Patrick Lange gehaltlos pauschal. Dagegen ist selbst das Wildschwein machtlos, das durch die Ouvertüre raschelt.                                   

Text: Irene Bazinger
Foto: Wolfgang Silveri
tip-Bewertung:
Uninteressant

Der Freischütz
in der Komischen Oper,
Karten-Tel. 47 99 74 00

VORANKÜNDIGUNG ZUM FREISCHÜTZ

NEUERE THEATERKRITIKEN IN DER ÜBERSICHT

Mehr über Cookies erfahren