Theater

„Capitalista, Baby!“ in den DT-Kammerspielen

CapitalistaBabyLetztes Jahr gelang Tom Kühnel und Jürgen Kuttner ein erstaunliches Kunststück: In den Kammerspielen des Deutschen Theaters führten sie „Die Sorgen und die Macht“, ein eigenwilliges Produktionsstück des umstrittenen DDR-Dramatikers Peter Hacks aus tiefsten realsozialistischen Zeiten, derart klug und zeigefingerfrei mit Gegenwartsbezug auf, dass die Synapsen im Parkett auf Hochtouren liefen. Jetzt hat sich das Regie-Duo die 1982 verstorbene Hardcore-Liberale Ayn Rand vorgenommen, eine Ikone der Tea-Party-Bewegung, deren Bücher mit ihrer Philosophie des starken Einzelnen und ihrer Abscheu gegen jedwede Form von Altruismus in den USA bis heute Millionenauflagen erreichen.

Massenkompatibel aufbereitet findet sich Rands Philosophie in ihrem Roman „The Fountainhead“, der 1949 mit Gary Cooper in der Hauptrolle verfilmt wurde und Kuttner/Kühnel als Grundlage für ihren Theaterabend dient. Der ebenso geniale wie kompromisslose Architekt Howard Roark wird dort von einem höchst mediokren Studienkumpel – mickriger Stellvertreter einer naturgemäß korrupten Welt – ausgebremst, was ihn selbstredend keinen Millimeter von seinem mannhaften Weg abbringt. Daniel Hoevels als Roark, Felix Goeser als Inkarnation des Mittelmaßes und Natali Seelig als Roark-verfallene Kolumnistin Dominique Francon machen daraus eine angemessen deutliche Hollywood-Schnulzen-Parodie auf einem überdimensionalen Dollarzeichen. So gesehen guckt sich „Capitalista, Baby!“ richtig gut weg. Aber den genussvollen Irritationsgrad des Hack-Abends erreichen die Regisseure mit ihren Ћiћek- Einsprengseln, lustigen Brecht-Zitaten und wiederholten Kuttner-Auftritten als Ayn-Rand-Verschnitt bei Weitem nicht.

Text: Christine Wahl

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Zwiespältig

Capitalista, Baby! DT-Kammerspiele, Mi 19.10., 19.30 Uhr; So 23.10., 19 Uhr, Karten-Tel. 28 44 12 21

Jürgen Kuttner und Tom Kühnel über „Capitalista, Baby!“    

 

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