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Castorf inszeniert im Prater „Amanullah Amanullah“

Anne Ratte-PolleEigentlich wollte Frank Castorf im Prater ein lustiges Trash-Stück aus den Zwanziger-Jahren inszenieren, einen Berliner Boulevard-Schwank der gröberen Sorte: „Hulla Di Bulla“ des seinerzeit populären Autoren-Duos Frank Arnold und Ernst Bach. Der Plot: Der afghanische König besucht Berlin, wird in einem heruntergekommenen Palais einquartiert, in dem zufällig auch eine Filmcrew dreht, und nebenbei machen seltsame Hochstapler ihre Geschäfte… Aber dann bekam die Volksbühne die Aufführungsrechte nicht, jetzt heißt das Stück „Amanullah Amanullah“ und ist, wie die Volksbühne wissen lässt „eine Stückentwicklung von Frank Castorf“. Der Plot: Der afghanische König besucht Berlin, wird in einem heruntergekommenen Palais einquartiert, in dem zufällig auch eine Filmcrew dreht, und nebenbei machen seltsame Hochstapler ihre Geschäfte…

Castorf bedient den Zwanziger-Jahre-Trash mit konsequentem Hau-drauf-Theater, Boulevard jenseits der Schmerzgrenze unter sorgfältiger Vermeidung von Eleganz und feinen Tönen, mit fröhlichem Grimassieren und forciertem Knallchargentum. Es wird prinzipiell nicht gesprochen, sondern gebrüllt, es ist eine Inszenierung des gewollt schlechten Theaters, was dank Castorfs Penetranz eine eigene Kraft und Brachial-Komik entwickelt. Marc Hosemann ist als Hochstapler und prächtiges Heinz Rühmann-Double eine Freude, Anne Ratte-Polle macht noch die Rezitation aus Artauds Essay über das Theater als moderner Pest zu einer krachenden Solo-Nummer und Volker Spengler gibt den verlebten Adligen als dösendes Walross. Eine prima Theaterabend für Menschen, die Theater eigentlich hassen.

Text: Peter Laudenbach
Foto: Thomas Aurin

Amanullah Amanullah
im Prater

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