• Kultur
  • Theater
  • Cellist Jan Vogler über Jimi Hendrix, Dimitri Shostakovich und stille Ecken in Manhattan

Theater

Cellist Jan Vogler über Jimi Hendrix, Dimitri Shostakovich und stille Ecken in Manhattan

Jan_VoglerWeshalb spielen Sie das klangzerfetzende “Machine Gun” von Jimi Hendrix mit Cello und Symphonieorchester?
Als Teenager in Ostberlin hatte ich sein Konterfei hinten auf meine Jeansjacke genäht und fand das sehr cool. Später habe ich entdeckt, dass er ein ganz großer Künstler war und ein spektakulärer Virtuose auf der Gitarre.

Ist diese Transformation von Hendrix ins klassische Instrumentarium mehr als ein aparter Klangreiz?
Dieses Arrangement von Kyle Sanna ist ein Feuerwerk! Angeregt wurde ich dazu durch The Knights, dieses fantastische Orchester aus New York, das in der Aufführungspraxis Alter Musik ebenso zu Hause ist wie in der Rockmusik.

The_KnightsIm gleichen Konzert spielen Sie Werke von Shostakovich. Blöde Frage: Was hat Hendrix mit Shostakovich zu tun – außer dass beide musikalische Revolutionäre waren?
Das ist ja schon viel. Dazu kommt, dass sie beide Pazifisten waren und in vielen Werken Gewalt und Krieg von der schauerlichsten Seite beschrieben haben, fast wie Picasso mit „Guernica“. Konkret passen ‚Machine Gun‘ und Shostakovichs erstes Cellokonzert verblüffend gut zusammen. Das Ende des letzten Satzes bei Shostakovich ist schon fast ‚Machine Gun‘.

Letzte Frage: Weshalb leben Sie als deutscher Cellist in New York?  Weil ich dort inspiriert werde. 90 Prozent meiner kreativen Arbeit findet in New York statt. In der Vorbereitung von Konzerten und Aufnahmen inspiriert arbeiten zu können ist entscheidend. Außerdem lebt es sich in Manhatten sehr entspannt und ruhig. Ich weiß, das glaubt immer keiner, aber die Stadt hat sehr stille Ecken.

Interview: Peter Laudenbach
Foto: Mat Henneck, Richard Frank

Jan Vogler & The Knights
Radialsystem, Di. 5.10., 20 Uhr

Mehr über Cookies erfahren