Theater

„Chaconne“ in den Sophiensaelen

chaconneJapaner spinnen nicht. Sie sind diszipliniert. Wenn Japaner doch mal spinnen, dann vollkommen. Deshalb ist die Free-Jazz-Pianistin Aki Takase eine der am freiesten improvisierenden Klavierkünstlerinnen der Welt. Wenn sie zusammen mit der Tänzerin Yui Kawaguchi auftritt, noch so einem japanischen Geschöpf, das mühelos zwischen Klassik, HipHop und zeitgenössischem Tanz hin- und herspringt, bewirft die Tänzerin die Pianistin schon mal hemmungslos mit Tischtennisbällen. Die Jazzgemeinde war schockiert, die Tanzszene zuerst gar nicht gekommen. Yui Kawaguchi springt federleicht und angstlos über den Flügel, dass einem das Herz stehen bleibt. Und fesselt nebenbei die  unter Kennern verehrte Jazzpianistin an den Klavierhocker. Die beiden haben zusammen „Die Stadt im Klavier“ entdeckt. So nennen sie ihre Impro-Reihe.

„Eure Stadt“, sagt Yui Kawaguchi und meint Berlin, „ist geordnet wie eine Bach-Partitur, aber gelebt wird in ihr, als sei sie eine Jazzimprovisation.“ Dasselbe kann man auch von den beiden Damen sagen, die sich wie im Boxring begegnen: Yui Kawaguchi vs. Aki Takase. Ordentlich ausgebildet, aber körperlich halsbrecherisch ist das, was die scheinbar zierliche Kawaguchi tut. Und völlig unberechenbar bleibt, wie Takase souverän auf ihre schrill schillernden Tänze reagiert. ­“Chaconne“, der Titel der Show, bedeutet: „Niedlich, sinnlich, wild und zügellos.“ Genau so tanzt Yui Kawaguchi. Aber man ahnt wohl schon, was den beiden eigentlich keiner glauben will: Sie verwechseln tatsächlich jegliche Spinnerei in ihrer anarchistischen Performance mit strenger Form und Arbeit. Es sieht alles nur so leicht und verspielt aus, was sie da tun. Um richtig auszuticken, muss man ordentlich was drauf haben. Und das haben sie.

Text: Arnd Wesemann

Foto: Antonella Travasico

Chaconne  Sophiensaele, 17.-20. 2., 20.30 Uhr, Karten-Tel. 283 52 66

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