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„Chris wer?“ von Peter Laudenbach

Die Berliner Kulturverwaltung teilt mit, dass sie den Intendanten-Vertrag von Frank Castorf nur bis 2017 zu verlängern gedenkt. Das ist bemerkenswert. Kunstferne, aber machtbewusste Bürokraten entledigen sich eines außergewöhnlichen Künstlers, der es gewagt hat, sich in Interviews über sie lustig zu machen. Die Volksbühne steht derzeit glänzend da. Von Krise keine Spur.
Falls Castorf noch ein paar Spielzeiten länger an der Volksbühne  bleiben möchte, hätte sich eine zurechnungsfähige Kulturpolitik bei ihm bedankt – und ihm selbst die Entscheidung überlassen, wann er aufhören möchte. Tim Renners Umgang mit Castorf ist so respekt- wie ahnungslos.
Als Nachfolger von Frank Castorf ist Chris Dercon im Gespräch, derzeit Direktor der Londoner Tate Gallery. Ein renommierter Museumsmann ohne jede professionelle Theaterkenntnis als Intendant eines der größten ­Theater Berlins – das klingt abenteuerlich. Und es passt zum „Kulturstaatssekretär-Darsteller“ („Die Welt“) Tim Renner. Ob Events in Serie interessanter als ein intelligent geführtes Ensemble-Theater sind, darf man bezweifeln. Im weiten Feld zwischen Performance, Tanz, bildender Kunst und Diskurs-Pop tummeln sich schon jetzt sehr vital das HAU, das Festival Foreign Affairs und das Haus der Kulturen der Welt.
Niemandem ist geholfen, wenn eine weitere Bühne um die gleichen Künstler und ein überschaubares Publikum konkurriert – oder wenn die Volksbühne zum Ort für Kunstbetriebsinsider verkümmert.

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