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Christian Jankowski bei CFA Berlin

Christian Jankowski bei CFA Berlin

Es dauert eine Weile, aber dann fällt der Groschen: Das Karaoke-Kabinett in der Galerie Contemporary Fine Arts (CFA) dient zwar auch der Besucherbelustigung, vor allem aber hat Christian Jankowski, 47, damit ein schönes Sinnbild geschaffen. Kichernd mühen sich in dem glitzernden Kasten Besucher mit der Fernbedienung für die Videos der Pop- und Punkbands aus Asien ab, die sich da tonlos die Seele aus dem Hals schreien. Schließlich versuchen sich zwei Frauen am Gesang – und scheitern.  Rasch wollen sie das Mikrofon weiterreichen, doch außer ihnen mag sich niemand zum Narren machen.
Dabei ist nach Jankowskis Logik genau das die Rolle des Künstlers. Galerien und Museen legen das Setting fest, der Künstler muss nur noch auf die Bühne und den Kasper geben. Seit rund 20 Jahren ironisiert Jankowski dieses Ritual, in Performances, Ansprachen, Gruppenspielen und Videos. Klug, charmant, gut aussehend spielt er den Hofnarren der Kunstwirtschaft. Dafür wird er gemocht und respektiert. Soeben hat der Hauptstadtkulturfonds dem Haus am Lützowplatz 50.000 Euro für eine Schau des Künstlers bewilligt, der die diesjährige „Manifesta“ in Zürich kuratiert.
Bei CFA schlägt seine üppige „Retrospektive“ den Bogen von frühen Fotos bis zu einer Auswahl von Filmen, die öffentlichkeitswirksam die Schauspielerin Nina Hoss getroffen hat, etwa der Film vom Künstler in einem alten Wasserwerk, das er sich angeblich zu einer eigenen Galerie hat umbauen lassen; außer phantasielos hochgezogenen weißen Wänden ist nichts zu sehen. „Great, great!“, ruft Jankowski. Endlich bestimmt der Narr sein Setting selbst. Dann öffnet er die Tür, und das Publikum kommt und staunt.    

Text: Claudia Wahjudi

Foto: Christian Jankowski / courtesy CFA Berlin; Franziska Sinn / Courtesy CFA Berlin

Contemporary Fine Arts Am Kupfergraben 10, Mitte, Di–Fr 10–18, Sa 11–18 Uhr,  bis 5.3.?

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