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Christian Petzold inszeniert Schnitzlers „Der einsame Weg“

… diagnostiziert der Kulturhistoriker Philipp Blom in seiner neuen, glänzend geschriebenen Studie über die Jahre nach der vorletzten Jahrhundertwende („Der taumelnde Kontinent„). Solche um eine leere Mitte taumelnden, mit Spannung aufgeladenen Teilchen scheinen auch die Figuren in Christian Petzolds Schnitzler-InszenierungDer einsame Weg“ am Deutschen Theater zu sein.
Die Bühne, ein weißer, sich nach hinten verengender, kalt ausgeleuchteter Kasten (Bühne: Henrik Ahr, Licht: Henning Streck), stellt sie aus wie Studienobjekte eines Verhaltensforschers.

Beson­ders die junge, leicht entrückte Johanna (arg blass: Nina Hoss) weiß nicht, ob sie träumt oder wacht, und noch ihre kurze Affäre mit dem alternden Lebemann und Dichter Stephan von Sala (Ulrich Matthes) scheint für sie eher ein im somnambulen Halbdämmer hingenommenes Wunder als eine echte Begegnung zu sein. Großartig ist, wie Matthes diesem Sala eine Eiseskälte der Intelligenz gibt: Ein unsentimentaler Mensch, der noch im Angesicht seines nahenden Todes nichts liebt als die elegante Formbeherrschung und seine Gedanken, mit denen er sich das Leben auf Abstand hält. Bester Freund und Konterpart dieses Kältepols ist der vergammelte Maler Fichtner, den Stötzner lustig als in die Jahre gekommenen Alt-68er und Edelbohemien spielt.
Trotzdem bleibt die Inszenierung zäh und bis auf Matthes’ Sala-Porträt etwas flach, was vor allem darin liegt, dass Petzold hier seine unterkühlte, nüchterne, vom Kalkül auf Effekt so angenehm freie Erzählweise weit weniger konsequent und formsicher durchhält als in seinen Filmen.

Text: Peter Laudenbach

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