Interview

Christoph Hein über ­seine Oper „Comeback“

„Das hat mit Liebe zu tun, schätze ich“ Schriftsteller Christoph Hein über ­seine Oper „Comeback“ und seinen gescheiterten Plan, Intendant zu werden

Christoph Hein
Foto: Heike Steinweg/ Suhrkamp Verlag

tip Herr Hein, früher annoncierte man die „Zauberflöte“ als Oper von Schikaneder, Musik von Mozart. Und den „Freischütz“ als Oper von Friedrich Kind, Musik von Weber. Werden Libretti heute zu gering geachtet?
Christoph Hein „Comeback“ ist mein wohl siebtes oder achtes Opernlibretto. Aber ich war immer der Meinung, dass der Text von Opern eine dienende Funktion hat. Die Sänger brauchen ein paar Vokale, und der Autor ist derjenige, der aus Vokalen Sinn macht. Daher muss der Text karg, knapp und lapidar sein, wie ein Drama von Sophokles. Händel hat den Text einiger Arien sogar ausgewechselt, wenn er seine Musik zweitverwendete. Der Unterschied besteht nur darin, dass man beim Kopieren heute geschickter vorgehen muss.

tip Mit der Schauspielerin Tilla Durieux beschäftigte sich auch schon Ihr Stück, das vor vier Jahren am Deutschen Theater aufgeführt wurde – mit Inge Keller. Ist „Comeback“ eine Opern-Kopie?
Christoph Hein Nicht ganz. Es waren ursprünglich zwei Einakter. Am Deutschen Theater wurde der zweite – über Emil Jannings – fortgelassen. Dann kam der Komponist Oskar Strasnoy zu mir und wollte aus beiden Teilen eine Oper machen. Ich war skeptisch. Ich konnte nicht erkennen, wie man die Geschichten von Durieux und Jannings, die wenige biographische Berührungspunkte haben, zusammenschneiden kann. Jetzt laufen beide bei uns so ein bisschen parallel.

tip Tilla Durieux musste in der NS-Zeit emigrieren, während Jannings aus den USA zurückkam. Läuft eine solche Gegenüberstellung nicht zwangsläufig auf Schwarz-Weiß-Malerei hinaus?
Christoph Hein Nein, denn wir dürfen nicht vergessen, wie schwer es für Schauspieler war, in der Emigration zu überleben. Da würde ich Jannings, dem die englische Sprache beim Tonfilm zu schaffen machte, in Schutz nehmen. Warum Tilla Durieux, die gezwungen war zu emigrieren, erst zehn Jahre danach zurückkam, weiß ich nicht. Vielleicht hatte sie Marlene Dietrich, der man eine Parteinahme gegen die Nazis noch Jahrzehnte später zum Vorwurf machte, als warnendes Beispiel vor Augen. Mich haben beide Lebensläufe interessiert. Und die Tatsache, dass uns Geschichten dieser Generation auch heute noch nachgehen – und nahegehen.

tip Ihre Ehefrau, die Sängerin Maria Husmann, singt die Rolle der „Tilla2“. Sind Sie von ihr überredet worden?
Christoph Hein Umgekehrt, ich habe sie überredet. Ich wollte sie gern noch einmal auf der Bühne sehen. Das hat mit Liebe zu tun, schätze ich. Kennengelernt haben wir uns nicht im Theater. Sondern im Konzertsaal.

tip Sie sind einer der wenigen Schriftsteller, die man regelmäßig in Berliner Parketts antrifft. Musikalisch vorbelastet?
Christoph Hein Ich habe Klavier angefangen und diverse Blasinstrumente . In einem Pfarrhaushalt, wissen Sie, gehört das ein bisschen mit dazu. Geht nur selten über Bach hinaus. Mozart habe ich erst später kennengelernt.

tip Vor zehn Jahren sollten Sie Intendant des Deutschen Theaters werden (als Nachfolger von Bernd Wilms), haben dann aber einen Rückzieher gemacht. Hat Ihnen die Geschichte geschadet?
Christoph Hein Geschadet nicht, geärgert schon. Es ging nicht um mich, sondern um einen Regierenden Bürgermeister, der einen Senator loswerden wollte. Man hat den Sack geprügelt und den Esel gemeint. Ich war nicht der Esel.

Schiller Theater (Werkstatt) Fr 30.9., So 2.10., Di 4.10., Fr 7.10., So 9.10., VVK: 20, erm. 15 €

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