Theater

City Tax

Für irgendwas müssen Touristen ja gut sein, außer dafür, als zahlungskräftige Endverbraucher das Berliner Nacht­leben zu verstopfen. Die traditionell finanziell darbende Freie Szene hat ihre Liebe zu den Touristen entdeckt, beziehungsweise zum Geld, das sie in der Stadt lassen. Die Künstler hoffen auf einen kleinen Geldsegen aus der im Koalitionsvertrag vereinbarten Einführung einer Sondersteuer auf Hotelübernachtungen. Diese City Tax soll das öffentliche Angebot, das die Touristen in Berlin nutzen, mitfinanzieren. Und sie ist ein Akt ausgleichender Ungerechtigkeit, der die von der Spaßpartei FDP auf Bundesebene durchgesetzte Steuersenkung für Hotels korrigiert.

Was das mit der Freien Szene zu tun hat? Wenn Touristen wegen des Kulturangebots nach Berlin kommen, sollten sie dieses in großen Teilen steuerfinanzierte Angebot doch bitte mitfinanzieren. Bei einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in den Sophiensaelen signalisierten Politiker zumindest Sympathie für diese Forderung. Etwa in den Worten von Frederic Verrycken (SPD), Vorsitzender des Hauptausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses: „Was die Verwendung der Einnahmen aus der City Tax betrifft, glaube ich, dass die Politik mittlerweile verstanden hat, wie schwierig das Arbeiten für Künstlerinnen und Künstler in Berlin sein kann, wie empfindlich und gefährdet die Kunstszene in Berlin ist und dass die Politik dort auch handeln muss.“ Sabine Bangert, kulturpolitische Sprecherin der Berliner Grünen, sagt es so: „75 Prozent der Berlin-Besucher erklären, sie kämen wegen des kulturellen Angebotes nach Berlin. 75 Prozent der Einnahmen aus der City Tax gehören in den Kulturhaushalt, damit die extrem unterfinanzierte Freie Szene endlich besser gefördert werden kann.“ Klingt logisch.

Sie wollen dem Autor Ihre Meinung sagen? Bitte sehr: [email protected]

Mehr über Cookies erfahren