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Kultur

Claus Peymann vs. Tim Renner

Peter Laudenbach

Claus Peymann ist ein Mann des klaren Wortes. Und auch wenn wir, um es mal höflich zu sagen, seine Regiekünste nicht immer ganz so großartig finden wie er selbst, lohnt es sich, hinzuhören, wenn er sich zur Kulturpolitik zu Wort meldet. Schon weil er bei Kultur und Theater gegenüber einem dilettierenden Kulturstaatssekretär Renner ein paar Jahrzehnte Wissensvorsprung hat. Mit seiner Irritation über Tim Renners Amtsverständnis ist Peymann unter den Berliner Intendanten mit Sicherheit nicht alleine. Er ist nur bisher der einzige, der sich traut, deutlich auszusprechen, was er von Renners Fähigkeiten hält: nichts. Wir dokumentieren Auszüge aus einem Brief, den ­Peymann am 1. April an den Kultursenator und Regierenden Bürgermeister Müller geschrieben hat.

„Vielleicht darf ich Sie daran erinnern, daß Sie als amtierender Kultursenator für die Agenda der Berliner Kulturpolitik verantwortlich sind. Statt dessen überlassen Sie das Feld Ihrem Kulturstaatssekretär, der bisher noch kein Fettnäpfchen ausgelassen hat: vom ,Live-Streaming‘ der Premieren bis hin zu dem Vorschlag, die Eintrittspreise für Theater und Oper anzuheben. Mir bricht buchstäblich der Angstschweiß aus, wenn ich mir vorstelle, was dieser unerfahrene und in dieser Position völlig überforderte Mann bereits angerichtet hat – und was uns noch erwartet… Nun soll auch noch die einst so ruhmreiche Volksbühne zum soundsovielten Event-Schuppen der Stadt gemacht werden: ein Super-GAU wie damals die Schließung des Schiller-Theaters. Hoffentlich ruft noch jemand ,April, April!‘ Die Kulturpolitik in Berlin gibt sich global-universal – und ist doch nur tief-provinziell. Geschichtsbewußtsein und Sachkenntnis: Fehlanzeige. (…) Mein Gesprächswunsch (mit Müller – Anm. d. Red.) hat sich im übrigen erledigt, denn inzwischen pfeifen es die Spatzen ohnehin von allen Berliner Dächern: Der Kulturstaatssekretär Tim Renner ist die größte Fehl­besetzung des Jahrzehnts.“

Ein Kulturstaatssekretär, dem von einem nicht ganz unwichtigen Intendanten mit nachvollziehbaren Argumenten so offene Verachtung entgegenschlägt, hat ein ernsthaftes Akzeptanzproblem. Man kann gespannt sein, wie (und ob) die Berliner Kulturpolitik auf diesen hingeworfenen Fehdehandschuh reagiert.   

Text: Peter Laudenbach

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