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„Clavigo“ am Deutschen Theater

Die Idee, in „Clavigo“, Männer- und Frauenrollen zu vertauschen, hätte zumindest ein lustiger Beitrag zu den Gendertroubles sein können. Herr Clavigo aus Goethes Jugenddrama ist ein Karriere-Journalist, der sich bei Hofe geschickt und einigermaßen skrupellos nach oben antichambriert. Seine Geliebte Marie legt er ab, als sie ihm lästig wird. Aber weil Goethe der Liebe eine Chance geben will, wird Clavigo rückfällig, er lässt sich wieder auf Marie ein. So weit, so 18. Jahrhundert. Stephan Kimmig unterzieht die Bühnenfiguren in seiner Inszenierung am Deutschen Thater einer Geschlechtsumwandlung.
Susanne Wolff spielt Clavigo als Karrieristin mit einem Faible für altmodische Turmfrisuren und schrille Outfits, eine Möchtegern-Mondäne, die sich privat gerne mal in eine Spießerausgabe von Amy Winehouse verwandelt. Marcel Kohler ist ihr blasser Geliebter, zu dessen Entsorgung man die gute Frau nur beglückwünschen kann. Kimmigs Regie-Einfälle verheddern sich in bunten, plumpen Ausstattungsscherzen der munter gewechselten Trash- und Nostalgie-Kostüme, Riesenreifröcke, Hotpants aus Würsten und Glitzer-Orgien.
Ein sinnfrei auf der Bühne liegender Heißluft-Ballon (Bühne: Eva-Maria Bauer) soll vermutlich wie die großformatig eingesetzten Video-Projektionen für Pop-Appeal und den Anschein von Glamour in dieser hilflosen Inszenierung sorgen. Kimmig, der mal ein ganz guter Regissur war, findet für die Figuren und das Stück, das ihn offenbar nicht weiter interessiert, keine Form. Also rettet er sich ins auftrumpfende Kunstgewerbe, was leider kein Pop, sondern nur langweilig und etwas dämlich ist.    

Text: Peter Laudenbach

Foto: Arno Declair

Deutsches Theater ?Karten-Tel.: 28 44 12 25

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