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Constanza Macras‘ „Forest: The Nature of Crisis“ im Grünen

Es hätte durchaus eine befriedigende Affäre werden können zwischen Rapunzel und dem Pizzaboten. Doch leider brechen dem Frisurwunder im entscheidenden Moment die Haarextensions ab. Auch das jung­liberale Schneewittchen zeigt sich in Constanza Macras’ Outdoor-Produktion „Forest: The Nature of Crisis“ angemessen krisengebeutelt: Schon während des Studiums Opfer unseriöser Anlageberater und etwas zu exzessiven Kokskonsums, vergeigt das schöne Stiefkind seine strahlendsten Jahre schließlich in einer Öko-WG. Denn dass die Forst-flora und -fauna auch noch nie das war, was sich der gemeine „Land­lust“-Abonnent darunter vorstellt, ist zwar keine bahnbrechende Neuig­keit, gerät aber angesichts boomender Aussteigerfantasien bekanntlich gern mal in Vergessenheit. Die Choreografin indes demons­triert die Ambivalenzen des (deutschen) Waldes so konkret wie unmiss­verständlich am Objekt — nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Macras’ Krisenbespiegelung, die den ökonomischen Status quo mit romantischer Naturlyrik, einem Schuss Soziologie sowie kitschigen Me­tro­polenfluchtreflexen kurzschließt und alles gleichermaßen angemessen durch den Trash-Kakao verfremdeter Grimm-Märchen zieht, vollzieht sich als dreistündige Tour durch den Müggelwald. Zwei Hundertschaften Kulturschaffender, -konsumenten, -kritiker und anderer mehr oder weniger hipper Berlin-Kiez-Bewohner folgen, im klassenausflugsaffinen Pulk und im sichtlichen Willen zur zünftigen Outdoorklamotte, einem Guide mit rotem Regenschirm durch den zusehends dunkler werdenden Forst und bauen an festgelegten Stationen brav ihre mit der Eintrittskarte erhaltenen Campingklapphocker auf.

Die Profis, also Macras’ mit tollen Gästen wie der (Jazz-)Sängerin Jelena Kuljic angereichertes Ensemble Dorky Park, lauern dem Pulk unterwegs mal kindergeburtstagsmäßig als Werwolf-Verschnitte, mal hochironisch als Romantik-Chiffren und mal adäquat unausgeschlafen als Prinzes­sinnen auf abgerockten Vintage-Matratzenbergen auf. Das Bewegungs­repertoire – es wird auf Höchstenergielevel gesprungen, gefallen, gerockt und gerempelt – ist dem titelgebenden Krisen-Befund in jeder Hinsicht angemessen und tritt tatsächlich immer stimmiger in Dialog mit den Lichtungen, Baumgruppen und Bretterverschlägen vor Ort.     

Text: Christine Wahl

tip-Bewertung: Sehenswert

Forest: The Nature of Crisis,
Müggelwald, Mo 12.­ bis Mi 14., Fr 16. bis Mo 19.8., 19.30 Uhr,
am 19.8. Filmübertragung mit Live-Musik an der Schaubühne,
Karten-Tel. 89 00 23

Treffpunkt um 19 Uhr am Waldeingang gegenüber Parkplatz »Rübezahl«, Müggelheimer Damm 143. Anfahrt mit der S3 Richtung Erkner bis S-Bhf. Köpenick, weiter mit dem X69 (10-Minuten-Takt) Richtung ­Müggelheim bis zur Haltestelle »Rübezahl« oder mit der Fähre von ­Friedrichshagen (Abfahrt 18.00 Uhr, bis Station Rübezahl)

 

zum Vorbericht über „Forest: The Nature of Crisis“

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