Theater

Context-Festival 2010 im HAU – Teil 2

„Anästhesie der Gefühle“ lau­tet das Thema des diesjährigen Context-Festivals. In der Emotionsforschung wird schon länger darüber debattiert, ob das Dauerrauschen der Medien für eine Art Betäubung der Gefühle sorgt. Darauf kann man mit Abstumpfung reagieren, mit dem Versuch, sich dagegen abzuschotten und zu immunisieren oder im Gegenteil, indem man mit um so grelleren, heftigeren Reizen auf das Geflacker der Medien antwortet.
Die Festivalkuratorin Pirkko Husemann hat sich für Inszenierungen entschieden, die emotionale Extreme repräsentieren. Da ist etwa der japanische Tänzer und Choreograf Hiroaki Umeda, der in seinem Solo „Adapting for Distortion“ durch abstrakte Lichtanimationen geistert und dabei seinen Körper auf umwerfende Weise selbst als etwas Technisches, absolut Unwirkliches erscheinen lässt – sozusagen eine Auflösung des Realen im Delirium der Abstraktion. Für ein anderes Extrem, das der größtmöglichen Reduktion und Nüch­ternheit, steht das Solo der Schauspielerin Vanessa van Durme, bekannt aus ihren Arbeiten mit Alain Platel: In ihrem Stück „Look Mummy, I’m dancing“ sitzt sie einfach nur auf einem Stuhl  und erzählt von ihrem Leben. Von der Kindheit als Junge, als sie begriff, dass dieses Geschlecht nicht das richtige für sie ist, der Operation in Marokko, weil das in den 70ern in Europa noch verboten war, der Suche nach einem neuen Leben mit anderem, weiblichen Geschlecht.

Auch auf einen echten Alt-Großmeister, wie sie in Berlin leider nicht mehr allzu oft zu Gast sind, darf man sich freuen, auf den belgischen Choreo­grafen Wim Vandekeybus und seine Compagnie Ultima Vez. „Nieu­wz­­wart“ heißt Vandekeybus’ neuestes Stück, es geht, wie immer bei ihm, um nichts Geringeres als die Apokalypse.

Text: Michaela Schlagenwerth
Foto: Julieta-Cervantes

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Context-Festival HAU 1-3, Di 26.1. bis Sa 6.2., Karten unter Tel. 25 90 04 27

 
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