Theater

„Coriolanus“ in den DT-Kammerspielen

CoriolanusZum dumpfen Balkan-Club-Sound des Pariser Elektro-Duos Nфze bearbeitet das rein weibliche Tragödienpersonal von Shakespeares „Coriolanus“ die Bühnen-Tanzfläche mit ein bisschen Groove and Sexyness. Hier tanzt das (römische) Volk. Das Drama der Besitzlosen („Unser Hunger ist nur da: für ihren Überfluss“) kippt schon in der ersten Szene nahtlos in seine Parodie und landet am Küchentisch der Volksfront von Judäa in Monty Pythons „Life of Brian“. Die Inszenierung von Rafael Sanchez in den DT-Kammerspielen hätte ein unterhaltsamer Abend vor der über ausziehbare Schubladen begehbaren, raumhohen Holzwand werden können. Die Grundkonflikte bei „Coriolanus“ (die noch junge Römische Republik, Besitzende und Besitzlose, die Geschlechterkonstellation) sind nicht einfach ins Heute übertragbar.

Doch die Regie und die über weite Durststrecken ausdruckslose Neuübersetzung von Andreas Marber will Bedeutsamkeit und Aktualität erzwingen („Wir sind das Volk“). Was sie damit beabsichtigt, bleibt beim zufällig wirkenden Einsatz von Bühnen- und Figurenmitteln – allen voran eine blasse Judith Hofmann als volksverachtender Feldherr Coriolanus – ein Geheimnis.        

Text: Anja Quickert
Foto: Arno Declair
tip-Bewertung: Zwiespältig

Coriolanus: Termine
in den DT Kammerspielen
Karten-Tel. 28 44 12

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