Theater

„Dantons Tod“ im Berliner Ensemble

DantonsTodEinige Schauspielschüler nutzen die Pause in Claus Peymanns BE-Inszenierung von Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“, um eine kleine Theaterrevolution anzuzetteln. Zettel flogen zielgerichtet ins Parkett: „Gesellschaftskritische Stücke spielen, und gleichzeitig Menschen ausbeuten!“, hieß es da. Keine Tarifverträge, keine Vernunft! Nun ja. Nach der Pause ging es mit der Abwicklung von Büchners Drama weiter wie zuvor. Auf der Bühne wird das handelsübliche Kunsthandwerk ausgebreitet. In Farbe und 3D. Das könnte schon den einen oder anderen Touristen ins BE locken. Den in Büchners Text angelegten durchaus obszönen Humor übersetzt der BE-Chef zu diesem Zweck in eine Altherren-Sex-Variante in Rokoko-Schnöseligkeit. In halbfertigen Tableaus in Wilson-Manier spielen sie Karten, treiben sie Unzucht, lassen sie die Köpfe rollen und singen die Marseillaise (die bekanntlich recht blutrünstige Lyrics hat). Sie schwenken kleine Trikoloren, als gelte es, Sarkozy zu begrüßen. Hurra! Sie schwanken wie die Fähnchen im Wind der großen Geschichte. Künstlichkeit und Groteske sind beliebt am BE. Man stolpert und stammelt und intoniert und marschiert weiter. Einer angemessenen Umsetzung der Sache (der Revolution, der Obszönität, dem Büchner’schen Text) ist man ohnehin nicht gewachsen und will es auch längst nicht mehr sein. Es gibt andere Prioritäten. Ordinär selbstherrlich weiterdümpeln bis ans Ende aller Tage zum Beispiel. Dantons Worte aus Büchners Drama sind hier angemessen. Sie sind anders als Peymanns Inszenierung kein schlechter Witz: „Das sind glückliche Leute, die sich noch besaufen können“, sagt er in der Nacht, bevor es aufs Schafott geht.

Text: Andreas Hahn

Foto: Monika Rittershaus

tip-Bewertung: Uninteressant

Dantons Tod Berliner Ensemble, 21.1., 20 Uhr; 2.2., 8.2., 19.2., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 284-08-155

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