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„Das Schwarze Wasser“ in der Neuköllner Oper

Die Lebenswege eines heutigen Innen­ministers und einer Deutsch-Türkin kreuzten sich vor 20 Jahren. Sie waren Teil zweier ­Jugendgruppen, die nachts in einem Freibad zusammentrafen, und wurden kurzzeitig ein Paar. Jetzt werden den Redakteuren einer fiktiven Zeitung kompromittierende Fotos der damaligen illegalen „Plantsch-Orgie“ zugespielt. Die Handlung springt von der Gegenwart in die Vergangenheit und mitten im Satz wieder zurück. Ebenso switchen die Darsteller zwischen den Rollen. Leider lässt diese Sprunghaftigkeit nur grobkörnig gezeichnete Abziehbilder, kaum fassbare Charaktere entstehen.
Regisseur Michael Höppner hat für die Neuköllner Oper aus Roland Schimmelpfennigs Stück über soziale Ungleichheit ein Musiktheater gemacht, die Brüder Vivan und Ketan Bhatti haben eine Art Clubmusik, gepaart mit Weill- und Puccini-Klängen komponiert. Für die deutschen und deutsch-türkischen Jugendlichen spielten für eine Sommernacht alle ­sozialen, kulturellen und religiösen Unterschiede ­keine Rolle. Im späteren Leben schon: Er, Sohn eines Politikers, wird selbstredend auch ­Politiker. Sie, Tochter türkischer Einwanderer, bleibt Supermarktverkäuferin. ­Wenig überraschende Quintessenz: Keiner entkommt seiner Herkunft. Die Inszenierung zeigt, dass man auch Klischees nicht immer entrinnen kann.   

Text: Hermann-Josef Fohsel

Foto: Martin Koos

Neuköllner Oper 11.–13.2., 20.+?21.2., 20 Uhr, Eintritt 16-25 Euro

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