Theater

„Das Spiel ist aus“ am Deutschen Theater

DasSpielIstAus_c_ArnoDeclairEs gibt ein Theater nach dem Tod. Ob das eine gute Nachricht ist? In Jette Steckels Inszenierung des Sartre-Drehbuchs „Das Spiel ist aus“ finden sich die Großbürgerin Eve (Judith Hofmann) und der Widerstandskämpfer Pierre (Ole Lagerpusch) nach ihrem Ableben jedenfalls nackt im Parkett des DT wieder. Sie ist von ihrem Ehemann, dem lokalen Polizeichef in einer fiktiven Diktatur, vergiftet worden. Ihn hat die Kugel eines Verräters in den Rücken getroffen.

Eigentlich ganz anheimelnd, wie die beiden Verschiedenen in aller Seelenruhe den Lebenden zuschauen können – hier verkörpert vom auf der Bühne sitzenden Publikum (Achtung, Perspektivwechsel!), das per Drehmechanik munter im Kreis gefahren, mit Kunstschnee bestreut und eingenebelt wird. Dazu verbreitet der eigens komponierte Elektro-Soundtrack der Postrock-Band The Notwist sphärisches Feeling.

Schon eingangs kommt allerdings eher Grabesstimmung auf. Steckel lässt einen Film projizieren, in dem allerlei Unterweltler (auch Ensemble-Mitglieder des Deutschen Theaters) auf dem U-Bahnhof Potsdamer Platz melancholisch aus der Wäsche schauen. Gefangen im Hipster-Hades! Seltsam auch, wie ironiefrei und kitschselig die Regisseurin den weiteren Sartre-Plot in Szene setzt.

Weiterlesen: The Notwist machen die Musik für Jette Steckels Sartre-Inszenierung „Das Spiel ist aus“ am Deutschen Theater – wir haben mit der Regisseurin und Markus Acher von The Notwist gesprochen

Eve und Pierre verlieben sich und bekommen eine zweite Chance auf Erden, unter der Bedingung, einander blindlings zu vertrauen. Leider können sie nicht aus ihrer Haut, schon wegen des Klassenunterschieds, klar. Außerdem muss Eve unbedingt ihre Schwester vorm mörderischen Ehemann (Alexander Khuon) retten, Pierre seine Genossen im Kampf gegen irgendeine Diktatur vorm Komplott warnen. Sartres schwer angestaubte Vorlage verhandelt allerlei Ismen (Existenzialismus, Determinismus). Steckel setzt dagegen aufs große Gefühl. Die Kombination ist sterbenslangweilig.

Text: Patrick Wildermann

Foto: Arno Declair

tip-Bewertung: Uninteressant

Das Spiel ist aus Deutsches Theater, Karten-Tel. 28 44 12 25

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