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Das Theatertreffen öffnet sich für Performances und Installationen

mystery_magnet_c_reinout_hielDer Stückemarkt des Theatertreffens war jahrelang eine etwas zu routiniert abgespulte Veranstaltung zum Zweck der Dramatiker-Förderung. In szenischen Lesungen wurde der Text-Output angehender Theater-Autoren durchgeschleust. In diesem Jahr erprobt das Festival erstmals ein neues Konzept. Drei internationale Künstler haben das Programm kuratiert. Die Performance-Installations-Künstlerin Signa Köster, die Regisseurin ?Katie Mitchell und der Dramatiker Simon Stephens haben je einen jungen Theaterkünstler mit seiner Arbeit nach Berlin eingeladen. Dass es sich dabei nicht automatisch um Texte fürs Schauspiel handeln muss, versteht sich von selbst. Die Erweiterung des Autorenbegriffs, die Öffnung für Performance und Installation sind ohnehin längst State of the Art.

Am wenigsten vielversprechend klingt dabei „Haus//Nummer/Null“ von Mona el Gammal. Scheint so, als hätte die dänische Mitmachtheater-Veteranin Signa Köster eine Künstlerin nominiert, die das Gleiche macht wie sie selbst. Nämlich bedeutungshuberische Erlebnis-Parcours bauen, die mit übergriffigen Laien-Performern besiedelt sind. Zuschauer müssen für „Haus//Nummer/Null“ einen dieser nervigen „Timeslots“ buchen, um für eine halbe Stunde Einlass in eine „Parallelwelt“ zu erhalten, in der ein totalitäres Regime die Herrschaft übernommen hat. Aus Künstlern wahrscheinlich. Das Ganze findet, huhu!, an einem noch geheimen Ort statt.

Vergleichsweise konservativ, was ja nicht schlecht sein muss, ist die Wahl des britischen Dramatikers Simon Stephens ausgefallen. Er holt das Stück „There Has Possibly Been an Incident“ seines Landsmanns Chris Thorpe in einer Inszenierung aus Manchester ins Festspielhaus. Der Text dekliniert mit drei Schauspielern verschiedene Storys durch, die sämtlich die Frage nach politischem Handeln in Extremsituationen an den Zuschauer weiterreichen. Hätte man den Mut gehabt, sich auf dem Tiananmenplatz den Panzern entgegenzustellen? Und wie würde man selbst als Diktator agieren? Hochinteressanter Punkt!

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Katie Mitchell schließlich, die Regisseurin, die die Kunst des live hergestellten Filmbildes zur technischen Perfektion gebracht hat – notfalls ohne auf Inhalte größere Rücksicht zu nehmen –, hat sich für die Belgierin Miet Warlop entschieden. Deren Performance „Mystery Magnet“ (Foto) wird als „Disneyland auf Acid“ und „Kindergeburtstag ab 18“ angekün-digt. Das ist immerhin ehrlich. Und verspricht neben Schaumwürsten, menschlichen Wollknäueln und einem Chor aus Trockenhauben nicht zuletzt eine cartoonhafte Zerstörungsorgie. Also vermutlich genau das, was dem Theatertreffen seit Jahrzehnten gefehlt hat.

Text: Patrick Wildermann

Foto: Reinout Hiel

Haus//Nummer/Null Haus Nummer Null, ?So 11. bis So 18.5. (außer 15.5.), ?13.00 bis 01.00 Uhr

Mystery Magnet ?Haus der Berliner Festspiele, Seitenbühne, ?So 11.?+?Mo 12.5., 20.00 Uhr

There Has Possibly Been an Incident ?Haus der Berliner Festspiele, Seitenbühne, ?Di 13.5., 21.30 Uhr?Karten-Tel. 25 48 91 00

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