Theater

„Das weite Land“ im Deutschen Theater

Das weite Land im Deutschen Theater

Die Seele mag, nach einem Tiefsinns­seufzer-Bonmot Arthur Schnitzlers, ein „weites Land“ sein, die Bühne des Deutschen Theaters ist in Jette Steckels Inszenierung des gleichnamigen Schnitzler-Stücks kein weites, sondern ein mit einem Gebirge aus Ikea-Sofas vollgerümpeltes Land (Bühne: Florian Lösche). Und damit fangen die Probleme schon an. Zwar lässt es sich an der Ikea-Nordwand prächtig hochklettern, auch als Fremdgeh-Nischen und Beischlaf-Höhlen sind die Polstermöbel gut geeignet. Und wenn die Bewohner der Wohn- und Liebeswahn-Landschaft innere Erregung ausdrücken wollen, schieben sie gerne aufgeregt ein einzelnes, rampennah abgestelltes Sofa hin und her oder kippen es um, um sich unter ihm zu verkriechen. So werden Schnitzlers Wiener Großbürger der vorletzten Jahrhundertwende von Bewohnern gediegener Salons mit Standesbewusstsein und klaren, wenn auch großzügig unterlaufenen Moralspielregeln zu leicht verschlampten Zeitgenossen einer diffusen Gegenwart, Couchsurfer eines wirren, aber auch nicht weiter wichtigen Liebeslebens. Weshalb sie einander trotzdem ehrpusselig duellieren müssen und um ihre Ehebruchs­manöver so ein Aufheben machen, bleibt dank der Ent­historisierung des Stücks rätselhaft.
Der Industrielle Hofreiter, der seinem regen Triebleben gerne außerhalb der Ehe Auslauf gönnt, ist bei Felix Goeser im Stadium einer leicht ranzig gewordenen Männlichkeit an­gelangt. Das Tes­tosteron dampft nicht mehr,  es muffelt – ein Frauenheld wie alter Männerschweiß. Seine Gattin (Maren Eggert) erträgt das mit Würde, bis sie sich irgendwann mit einem Bubi-Liebhaber (Ole Lagerpusch) rächt, während ihr Gatte dem Girlie des Moments (Anna Drexler) im Gebirge nachsteigt. Ulrich Matthes darf als melancholisch verschatteter Arzt und Freund des Hauses mit Hang zu bunt gemusterten Hemden nachdenklich gucken. Er gibt dieser Nebenfigur intellektuelle Kontur und die Tiefendimensionen, die den Ehebruchs-Virtuosen fehlen. Weil die Geschichte allzu glatt läuft, gönnt sich die Regisseurin im zweiten Teil des Abends einige lustige Ausflüge in die Groteske. Das ist alles nett anzuschauen, aber weil das Stück entkernt wurde und die Figuren etwas flach bleiben, vermag der Zuschauer nicht, größeres Interesse für sie zu entwickeln.        

Text: Peter Laudenbach

Bild: Arno Declair

tip-Bewertung:

Das weite Land, Deutsches Theater, Mo 5.1., Do 15.1., 19.30 Uhr, ?Karten-Tel. 28 44 12 21

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