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„Das wohltemperierte Klavier“ an der Schaubühne

DasWohltemperierteKlavierDie 48 Präludien und Fugen von Johann Sebastian Bach, „Das wohltemperierte Klavier“, sind so etwa das Schönste, das es gibt. Wer diese Musik zum Stoff eines Theaterabends macht, sollte wissen, was er tut. David Marton, einst Mitarbeiter Christoph Marthalers und ein hoch gehandelter Regisseur an den Grenzen zwischen Musik und Theater, bringt in seiner Inszenierung an der Schaubühne Bachs geistesklare Musik mit einem düster raunenden Roman zusammen, „Melancholie des Widerstands“ von Lбszlу Krasznahorkai.

Aus dem Roman hat es unter anderem György Eszter (Ernst Stötzner) auf die Bühne geschafft, einst Klavierlehrer am Konservatorium, jetzt ein schrulliger Musik-Guru, der sich in den Untiefen der Harmonielehre rettungslos verheddert hat.
Die Bühne (Alissa Kolbusch): eine mit Biedermeiermöbeln, Teppichen und zwei Flügeln – einem mit und einem ohne Beine – vollgerümpelte Höhle, halb bürgerliches Interieur, halb Verlies des Irrsinns. Die Bewohner dieser Höhle pflegen ihre Macken. Eine korpulente Dame (Bettina Stucky) ahnt gerne mal den Weltuntergang voraus –„früher Frost, Zugausfälle, Denkmalschändungen: Anzeichen kommender Katastrophen“. Die Gattin (Jule Böwe) des verrückten Klavierlehrers träumt von „Sauberkeit und Ordnung in Haus und Hof“ und hat zu diesem Zweck ein ominöses Komitee gegründet, wobei sie auch dem ordenbehängten Polizeipräsidenten (Nils Borman) näherkam. So weit, so gaga.

Die liebenswerten Irren verfallen gerne mal in Halbdämmer oder innigen Chorgesang, als hätte es sie gerade aus einer Marthaler-Inszenierung hierher verschlagen – nur mit dem kleinen Unterschied, dass sie im Gegensatz zu Marthalers Geschöpfen dabei unangenehm prätentiöse Züge entwickeln und gespreizt Bedeutung simulieren, wo keine ist.                 

Text: Peter Laudenbach
Foto: ThomasAurin
tip-Bewertung:
Uninteressant

Das wohltemperierte Klavier
in der Schaubühne,
Premiere am 16.3., weitere Termine u.a. 17.+18.3., 20 Uhr, Karten-Tel. 89 00 23

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