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Tanz

Das Wuppertaler Tanztheater kommt in die Volksbühne

Gibt es ein Leben nach Pina? Antworten gibt das Wuppertaler Tanztheater beim Tanz im August mit „Neues Stück II“

Foto: Mats Baecker

Adolphe Binder, die Nachfolgerin von Pina Bausch in der Intendanz des Tanztheaters Wuppertal, trat ein gewaltiges Erbe an, als sie im Mai vergangenen Jahres die künstlerische Leitung des berühmtesten Tanz­theater-Ensembles des Landes übernommen hat. Ihre Aufgabe: Die über Jahrzehnte von Bausch geprägte, geformte und mit einer völlig neuen Tanzsprache zu Weltruhm geführte Compagnie nach dem Tod der Meisterin mit neuen Produktionen davor zu bewahren, zum Bausch-Museum zu werden, das sich damit begnügt, die alten ­Werke in Endlosschleife auf weltweiten Tourneen zu konservieren.

Eine dieser Arbeiten zeigt der Tanz im August jetzt zum Abschluss des Festivals an der Volksbühne – eine erste Antwort auf die Frage, was nach der großen Pina wohl kommen könnte. Die Volksbühne ist ein auf ironische Weise überaus passender Aufführungsort. Auch am Rosa-Luxemburg-Platz verfügt man ja über eine gewisse Erfahrung mit den Schwierigkeiten, legendäre Intendanten mehr oder weniger gekonnt zu beerben. Das Gastspiel hätte einen Ausblick auf die Zukunft des Wuppertaler Tanztheaters erlauben können. Aber wie es aussieht, ist diese Zukunft nach dem unsanften, offenbar recht unfairen und von bemerkenswert intriganter Medien-Begleitmusik akklamierten Rauswurf Adolphe Binders in diesem Juli wohl schon wieder vorbei.

In alter Bausch-Tradition hatte die Aufführung bei der Premiere noch keinen Titel und heißt jetzt einfach lakonisch „Neues Stück II“. Der norwegische Choreograf Alan Lucien Øyen erkundet gemeinsam mit den Tänzern in dem dreistündigen Abend in guter alter, interdisziplinärer Tradition den Grenzbereich zwischen Tanz, Theater, Text und Film (auch das passt ja irgendwie zur jüngeren Vergangenheit der Volksbühne). Indem er „intimste Momente in Szene setzt“, will der Choreograf „die Schlichtheit, Schönheit und Komplexität menschlicher Erfahrung widerspiegeln“, verrät die Dramaturgie – und das ist in aller Schlichtheit, Schönheit und Komplexität ohne Zweifel ein absolut zu begrüßendes Vorhaben.

Volksbühne Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte, Fr 31.8., 21 Uhr, Restkarten ggf. an der Abendkasse

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