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„The Day Before the Last Day“ in der Schaubühne

TheDayBeforeTheLastDayAls die junge israelische Regisseurin Yael Ronen vor zwei Jahren an der Schaubühne die Stückentwicklung „Dritte Generation“ herausbrachte, war das bahnbrechend. Drei israelische und drei palästinensische Schauspieler, die mit israelischem Pass in Tel Aviv oder Haifa leben, versammelten sich zusammen mit vier deutschen Akteuren zu einer politisch unkorrekten Gruppentherapie und hauten einander mit tiefschwarzem Humor ihre Biografien und Ressentiments um die Ohren.
Jetzt hat Ronen unter dem Titel „The Day Before the Last Day“ nach dem gleichen Muster ein Sequel gestrickt, das sich mit religiösem Fundamentalismus auseinandersetzt: Ein engagierter Futurologe bereitet das Publikum mit wissenschaftlicher Akribie auf den nächsten Weltkrieg vor, während ein betont ungeschickter Bühnenarbeiter (Niels Bormann) nacheinander an dessen Notebook, an der Leinwand für die Powerpoint-Präsentation und am Flipchart scheitert. Der Stromschlag, der den gutmütigen Deppen bei dieser Gelegenheit ereilt, weckt in ihm religiöse Erlöserfantasien und gibt den Weg frei für allerhand zwischenreligiösen Zoff und Geplänkel. Besorgte Schauspieler-Eltern fragen aufgeregt von Leinwänden herab, ob ihre Kinder hier „etwa mit Nazis Theater spielen“. Und Matching-Fragebögen–Tenor: „Mögen Sie Sex mit Jungfrauen?“ – sollen die Zuschauer darüber aufklären, welche Religion am besten zu ihnen passt. Die Tiefenbohrungsqualitäten der „Dritten Generation“ erreicht der Abend damit bei Weitem nicht.

Text: Christine Wahl

Foto: Heiko Schäfer

tip-Bewertung: Zwiespältig

The Day Before the Last Day Schaubühne, 30.9., 1.10., 20.30 Uhr, 2., 3.10., 18.00 Uhr, Karten-Tel. 89 00 23

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