Theater

Dem ATZE Musiktheater droht die Kündigung

ThomasSutter_c_JoergMetznerHerr Sutter, der Bezirk Mitte hat dem Theater ATZE überraschend den Mietvertrag für die Spielstätte im Max-Beckmann-Saal zum Juni 2014 gekündigt. Wie lautet die Begründung?
Die ist eine rein finanzielle. Der Bezirk beruft sich auf seine wirtschaftliche Zwangslage und will mit dem Haus eine ortsübliche Miete erzielen, wie es heißt. Nach deren Vorstellungen soll künftig die Kulturverwaltung mit einer erhöhten Förderung für uns einspringen. Was ja insofern in Ordnung wäre, als wir eine gesamtstädtische kulturelle Aufgabe erfüllen, nicht nur eine bezirkliche. Aber da läuft eine Provinzpolitikerposse ab. Statt dass man sich zusammen an einen Tisch setzt und vernünftig redet, wird dem Senat vom Bezirk die Pistole auf die Brust gesetzt: Entweder ihr übernehmt ATZE oder das Fallbeil fällt. Meine Vermutung ist ja, dass die SPD in Mitte den Saal an die Beuth-Hochschule, die Technische Fachhochschule, zurückgeben will. Dagegen werden wir uns wehren.

Sie zahlen derzeit nur eine symbolische Miete von zwölf Euro im Jahr. Ist wirklich nicht mehr drin?
Durch diese Zahl wird der Eindruck erweckt, wir wären die alleinigen Nutznießer dieser Vereinbarung. Das stimmt so einfach nicht. Mit der Unterzeichnung des Mietvertrags 2004 haben wir den Bezirk von hohen laufenden Kosten entlastet und über die Spielstättenförderung bis Ende 2007 auch die Betriebskosten übernommen. Der Bezirk hat all die Jahre nicht nur ideell, sondern auch finanziell von unserer Arbeit profitiert. Wir können keine höhere Miete stemmen. Nur mal zum Vergleich: Das Theater an der Parkaue bekommt 5,5 Millionen Subventionen im Jahr, das Grips 3,8 Millionen. Wir haben einen Etat von 690.000 Euro. Wir können davon kaum unsere Leute bezahlen.

Was bedeutet die Kündigung für Ihr Haus konkret?

Ursprünglich sollte uns ja schon zum April 2014 gekündigt werden, mitten in der laufenden Spielzeit. Das wurde dann um zwei Monate verlängert. Aber auch der Juni-Termin bedeutet für uns den Verlust jeder Planungssicherheit. Wenn nichts geschieht, werden die Schauspieler abwandern, der finanzielle Kollaps droht. Immerhin bestreiten wir fast 50 Prozent unseres Etats durch Eigeneinnahmen.

Gibt es einen Plan B?
Der Plan B lautet, dass ich eine Spaghetteria aufmache und endlich meiner Leidenschaft fürs Pastakochen nachgehe. Im Ernst: Wo soll ATZE hin? Es gibt kein adäquates Haus für uns in Berlin, das wissen auch die Politiker im Bezirk. Entweder hier oder gar nicht.               

Interview: Patrick Wildermann

Foto: Joerg Metzner

Weitere Informationen und Online-Petition unter www.atzeberlin.de

 

Übersichtsseite Berlin mit Kind

Kultur und Freizeit in Berlin

 

 

Mehr über Cookies erfahren