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Der afrikanische Tänzer Ahmed Soura eröffnet die Tanztage in den Sophiensжlen

Tanztage_AhmedSoura_c_KerstinJungeNoch im Jahr 2010 war er Mitstreiter in Christoph Schlingensiefs Operndorf-Opus „Via Intolleranza II“. Seitdem tritt er als fulminanter Interpret in vielen ähnlich erfolgreichen Großkunstwerken auf. Zuletzt zu sehen war sein behänder Körper als der Mann im Schacht in Helmut Lachenmanns „Das Mädchen mit den Schwefelhölzern“ an der Deutschen Oper. Hier, abseits vom Staatsballett, traf er auch auf einen der beständigsten zeitgenössischen Tanzkünstler in Berlin, auf Florian Bilbao, mit dem er kurz vor Weihnachten „Auprиs du printemps“ herausbrachte – ausgerechnet beim Tanzfest im nahen Acker Stadt Palast, der nagelneuen Konkurrenzveranstaltung zu den inzwischen 23. Tanztagen in den Sophiensжlen.

Sein Stück bei den Tanztagen heißt sogar fast wortgleich: „Au prкt du temps“ – ein Wortspiel zum meistdiskutierten Ballett des letzten Jahres, „Sacre du printemps“, das seinen hundertsten Jahrestag endlich hinter sich hat. Mit nichts Geringerem also eröffnet der Meister aus Burkina Faso die Tanztage. Dabei hat er sich erst eben im Ballhaus Ost bei Christoph Winklers Proteststück „Das wahre Gesicht“ vorgestellt. Und nur wenige Tage nach dem Startschuss bei den Tanztagen ist er sogar Mitstreiter bei den besten B-Boyz Deutschlands: Am 10. Januar trifft er im Radialsystem auf Niels „Storm“ Robitzky, Louise Wagner und Raphael Hillebrand.

Einer wie Ahmed Soura schafft diesen Spagat zwischen HipHop und Ballett ganz locker. Den Tanz gebiert er mehr aus einer Notwendigkeit heraus, weniger aus einer braven Tanzschulbildung. Um diese Ausbildung aber kreisen die Tanztage ganz traditionell. Darum gibt es Gesellenstücke von Absolventen des Hochschulzentrums für Zeitgenössischen Tanz wie Kareth Schaffers mit dem Stück „As Easy As 1, 2, 3“.
Es gibt auch Teilnehmer eines deutsch-polnischen Coaching-Projekts mit Energiebündeln wie Baska Gwozdz und Korina Kordova. Es gibt Wiederauferstehungen ausgestorbener Stämme bei Juan Gabriel Harcha und sogar Beiträge zu einer „Neuen Frömmigkeit“. Es gibt aber auch Spaß mit dem US-Kollektiv Calvin Klein aus Berlin. Und es gibt: Spontane Queer Art – „Squart“ genannt, ein Happening-Format für jedermann, vom Leiter der Tanztage Peter Pleyer frisch aus San Francisco importiert. Für ihn ist es der Höhepunkt. Und dass er Ahmed Soura an den Anfang stellt, dabei hat er sich auch etwas gedacht.

Text: Arnd Wesemann

Foto: Kerstin Junge

Tanztage in den SophiensЖlen 4.–14. Januar, www.tanztage.de

Dialog Movement u. a. mit Ahmed Soura, Radialsystem, Fr 10.1., 21 Uhr, Karten-Tel. 288 788 588

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