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Der Azubi von Peter Laudenbach

Der Azubi von Peter Laudenbach

Tim Renner muss niemand sagen, dass es in der Politik auf Selbst-Marketing ankommt. Der Kulturstaatssekretär und Politik-Quereinsteiger twittert Fotos seines Frühstücks und der schönsten Aktenordner in der Kulturverwaltung, er erklärt jedem Interviewer, dass er nicht mehr so viel im Nachtleben unterwegs ist, weil er jetzt immer so früh rausmuss, er signalisiert in alle Richtungen Interesse, Neugier, Offenheit. Nur wenn es um Inhalte geht, wird es mühsam. Renner hätte gerne, dass die Berliner Bühnen ihre Premieren als Stream übertragen. Dass viele Bühnen für ihr Marketing längst Clips ins Netz stellen, ist ihm möglicherweise entgangen. Dass die Komplettübertragung einer fünfstündigen Castorf-Inszenierug am Monitor etwas an Reiz verliert, scheint ihm ebenso egal zu sein wie die Tatsache, dass es auch bei Theaterstücken so etwas wie ein Copyright gibt. Wer Stücke lebender Autoren übertragen will, kann das nicht ohne Erlaubnis der Rechteinhaber tun. Ebenso konfus wirkt sein Vorschlag, die Eintrittspreise für Opern und Theater zu erhöhen. Vielleicht sollte ihm jemand erklären, dass die sozialdemokratische Idee einer „Kultur für alle“ kein Witz ist. Aber er hat eines der wichtigsten Probleme der Kulturszene der Stadt erkannt: die Verfügbarkeit bezahlbarer Räume. Jetzt muss Renners künftiger Chef Michael Müller als Regierender Bürgermeister und Kultursenator daraus nur noch die nötigen Konsequenzen ziehen. 

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