Theater

Der Designer Christian Lacroix an der Staatsoper

Christian_Lacroix„Ich mag es, solange es von Lacroix ist“, ließ sich die Philosophie von Edina Monsoon, der modesüchtigen Hauptfigur in der BBC-TV-Serie „Absolutely Fabulous“ zusammenfassen. Christian Lacroix war ihr Lieblingsdesigner. Das war in den frühen 1990ern, und der Name Lacroix stand für eine exklusive, opulente Mode in den letzten Tagen der aristokratischen Haute Couture. Paradoxerweise war es ausgerechnet eine Fernsehserie, wenn auch eine, die das ewige Spiel der Hipness gekonnt lächerlich machte, die den Namen Lacroix in der Popkultur verankerte. Als eine Verkörperung des ultimativ Edlen und zugleich immer leicht Übertriebenen. Es war auch kein anderer als Christian Lacroix, der das Hochzeitskleid für Christina Aguilera schneiderte.

Heute hat er sich für ein ganzes neues Spielfeld entdeckt: Er entwirft mit Hingabe Kostüme für Operninszenierungen – derzeit an der Staatsoper. Der im Mai sechzig Jahre alt gewordene Lacroix hat zu den Mechanismen des popkulturellen Ruhms und seiner kommerziellen Verwertung schon länger eine eher ambivalente Haltung. „Bei der Vermarktung des Namens fühlte ich mich nie ganz wohl“, sagt er im Gespräch in der Kostümabteilung der Staatsoper. „Meine Familie und ich fanden es schon immer etwas seltsam, den Namen Lacroix auf dem Schild über einer Boutique zu lesen. Die Mode ist im Laufe der Jahre immer vulgärer geworden. Es geht nur noch um Geld und große Namen. Viele Leute glauben, ich wäre jemand wie Versace oder Lagerfeld, der nur in der Sphäre der Reichen zu Hause ist. Aber man muss überall zu Hause sein. Schon in meiner Familie gab es Reiche und Arme, Royalisten und Kommunisten.“ Keine Frage, der Mann hat Stil, Klasse und klare Überzeugungen.

2009 ging das Modeimperium Lacroix bankrott, was unter anderem dazu führte, dass Christian Lacroix zur Zeit nicht über die Rechte am eigenen Namen verfügt. Als er vor zwei Jahren von der Insolvenz seines einstigen Unternehmens erfuhr, arbeitete Lacroix gerade in Berlin an den Kostümen für Vincent Boussards Inszenierung von Händels „Agrippina“ an der Staatsoper. „Es war zunächst ein trauriger Moment“, erinnert er sich. „Ich hatte sehr darum gekämpft, das Unternehmen zu erhalten. Aber dann war es doch eine Art Erleichterung. Im Grunde wusste ich schon länger, dass die Zeit, mit einer geringeren Anzahl an Leuten eine am Handwerklichen orientierte Mode zu machen und nicht einfach nur einen großen Namen über die ganze Welt zu verbreiten und alle sechs Monate ein neues Parfüm auf den Markt zu bringen, wohl vorbei war. Für mich war es die Chance auf ein völlig neues Leben und ein neues Metier, das näher mit meinen Kindheitsträumen verbunden ist. Ich würde zwar nicht unbedingt sagen, die Couture war ein Unfall für mich. Aber als Kind habe ich nie von der Couture geträumt. Ich habe immer nur von der Bühne oder der Leinwand geträumt, vom Theater, von der Oper. Der rote Vorhang, die Leinwand, der Blick auf ein anderes Leben, das war schon immer die Realität für mich.“

Seit 1999 arbeitet Lacroix als Kostümbildner mit dem Regisseur Vincent Boussard zusammen. Zu Anfang nur gelegentlich, in den letzten Jahren ist die Arbeit als Kostümbildner mehr und mehr in den Mittelpunkt seiner immer noch vielfältigen Aktivitäten gerückt. Zuletzt hatte er an der Münchener Oper die Kostüme von Boussards Inszenierung von Bellinis „I Capuleti e i Montecchi“ entworfen. Nun steht an der Staatsoper Leonard Bernsteins Musical „Candide“ nach dem gleichnamigen Roman von Voltaire an.

Den vollständigen Text von Andreas Hahn lesen Sie in der tip-Ausgabe 14/2011.

Foto: Clärchen und Matthias Baus

Candide Staatsoper im Schillertheater, Premiere am 24., 28., 30.6., 19.30 Uhr, 26.6., 18 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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