Theater

„Der eingebildete Kranke“ in der Volksbühne

DerEingebildeteKranke_c_ThomasAurinWuttke trifft Moliиre, Nummer 2: Als eingebildeter Kranker Argan ist Martin Wuttke in seiner eigenen Inszenierung ein dauerröchelnder Hysteriker im rüschenbesetzten Nachthemd, der sich in seinen Ohrensessel verkriecht wie in eine Höhle, in der er vor der bedrohlichen Menschheit und den Gefahren des Lebens Schutz sucht. Zu den wenigen Freuden, die das Leben dem Maladen noch bereiten kann, zählen die ihm aus einem überdimensionalen Klistier verabreichten Einläufe und der Stuhlgang. Stolz ob vollbrachter Notdurft-Tat und freudestrahlend wie ein kleines Kind hält er dann den gefüllten Nachttopf in die Höhe. Ansonsten verrennt er sich gerne in absurde Ängste, turnt durch etwas müde Slapstick-Nummern und fällt dabei seinen Mitmenschen ausgiebig auf die Nerven. Um dieses müde-aufgedrehte Zentrum kreist das übrige Personal wie kleinere Satelliten. Der Regisseur Wuttke interessiert sich vor allem für den Hauptdarsteller Wuttke, die übrigen Figuren bleiben etwas konturlos, was leider für einen gewissen Leerlauf der Veranstaltung sorgt. Eine Ausnahme sind die immer erfreuliche Margarita Breitkreiz als Zofe und Lilith Stangenberg, die die bedauernswerte Tochter Argans spielt. Wenig erhellend ist, dass Wuttke irgendwann das Interesse an Moliиre verliert und sich lieber Antonin Artaud und dem Bericht dessen behandelnden Arztes zuwendet. Der Abend kann sich nicht entscheiden, ob er knallige Komödie oder Parodie der Komödienmechanik sein will.

Text: Peter Laudenbach

Foto:Thomas Aurin

tip-Bewertung: Uninteressan

Der eingebildete Kranke Volksbühne, Fr 29.6., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 24 06 57 77

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