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„Der Freischütz“ an der Staatsoper im Schiller Theater

Ist das nun ein Gewehrlauf, in den wir da hinein­blicken? Oder der Verdauungstrakt eines zu erlegenden deutschen Keilers?! Dieser „Freischütz in der Röhre“, wie man das Bühnenbild von Olaf Altmann auch titulieren könnte, dominiert die Optik von Michael ­Thalheimers Inszenierung an der Staatsoper. Eine Interpretation ist das noch nicht.
Wenn es einen Grund gibt, diesen „Freischütz“zu besuchen, so liegt er in Anna ­Prohaska als Ännchen. Ambivalent und schauervoll in ihrer bislang besten Aufführung singt sie die heiratswütige Jungfer. Hinreißend! Dorothea Röschmann (Agathe) sorgt für eine Extraportion Seelenton und Burkhard Fritz für einen anständigen, strammen Max. Falk Struckmann als Kaspar verfügt über den richtigen Fieslings-Bass. Eine gute Sänger­bilanz. Die Berliner Staatskapelle wäre noch besser, wenn nicht ein pedantischer Uhrmacher wie Sebastian Weigle vor ihr stünde. Er legt ein witz- und missionsloses Dirigat hin, mit lebertranigen Tempi und einer Generalpause am Ende der Ouvertüre, die den Eindruck erweckt, als hätte er mittendrin aufgegeben. Hier fehlt der Chef.
Unter den fünf Opernregie-Arbeiten Michael Thalheimers befand sich bislang keine echte Großtat. Seine Stärke liegt in den Freiheiten der Verknappung, die er sich nimmt. Aber in der Oper läuft die Musik dummerweise immer munter weiter.    

Text: Kai Luehrs-Kaiser

Foto: Katrin Ribbe

Der Freischütz an der Staatsoper im Schiller Theater, Fr 30.1., Do 5.2., So 8.2., 19.30 Uhr, Karten-Tel. 20 35 45 55

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