Theater

„Der Kirschgarten“ im Berliner Ensemble

KirschgartenEs hat etwas Rührendes, wie Claus Peymann am BE den Diven und Regie-Künstlern von einst an seinem Haus Obdach und einen wärmenden Altersruhesitz gewährt. Liebevoll hat er das BE zur Wärmestube der Regie-Generation 70 plus gemacht, was man dem Hausherrn in diesen Zeiten sozialer Kälte nicht hoch genug anrechnen kann. Stein und Brandauer haben es sich hier mit Dorfrichter Adam hinter Butzenscheiben gemütlich gemacht. Jetzt dürfen Cornelia Froboess („Pack die Badehose ein“) und der kunstferne Routinier Thomas Langhoff am BE mit Tschechows „Kirschgarten“ noch einmal zeigen, was sie nicht können.
Froboess macht aus der überschuldeten Gutbesitzerin Ranjewskaja, die ihr Leben lieber verträumt als in die Hand nimmt, ein in die Jahre gekommenes Luxusgirlie, der man den Bankrott von Herzen gönnt. Froboess’ Spiel ist von bemerkenswerter Oberflächlichkeit und ganz offenbar nicht besonders daran interessiert, eine nähere Bekanntschaft mit ihrer Figur zu machen. Ihr Counterpart in der sich uninspiriert und frei von innerer Spannung hinschleppenden Inszenierung in einem Bühnenbild von erlesener Hässlichkeit (Katrin Kersten) ist der pragmatische Kaufmann Lopachin, den Robert Galinowski zum bauernschlauen Aufsteiger mit begrenztem Gefühlshaushalt macht. Der einzige Grund, wach zu bleiben, sind die Auftritte des großen Jürgen Holtz, ein Genie schroffster, feinster Schauspielkunst. Er spielt den alten Diener Firs, ein Relikt aus einer anderen Epoche, so anrührend wie absolut unsentimental. Es sind seine Auftritte, die man trotz des kümmerlichen Langhoff-Gebrauchstheaters daneben nicht mehr vergisst.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

tip-Bewertung: Uninteressant

Der Kirschgarten Berliner Ensemble, Di 15., Fr 18.11., 20 Uhr, Karten-Tel. 28 40 81 55

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