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„Der Mann ohne Vergangenheit“ im Deutschen Theater

Der Mann ohne Vergangenheit

In den Filmen von Aki Kaurismäki wird nicht viel geredet, aber gerne wortlos geraucht, getrunken oder einfach stoisch vor sich hingestarrt. Was erstaunlicherweise ziemlich berührend und komisch ist, weil Kaurismäkis Figuren in der Tristesse eine trotzige Würde bewahren. Deutlich verspielter und leichtfüßiger ist Dimiter Gotscheffs Theaterfassung von Aki Kaurismäkis Film „Der Mann ohne Vergangenheit“, der zwar von 2003 ist, aber aussieht, als wäre er etwa von 1958. Die Bühne (Katrin Brack): Eine helle Fläche vor weißem Rundhorizont, auf der sich unter einer freudlosen Straßenlaterne riesige Einkaufstaschen stapeln – die provisorischen Behausungen der Vorstadt-Verlierer. Wie die Bühne funktioniert die ganze Inszenierung: Statt Sozialnaturalismus freies Spiel. Statt Elendsbebilderung eine melancholische Clowneske. Der Mann, der bei einem Überfall zusammengeschlagen wurde und seitdem nicht mehr weiß, wer er ist , ist anders als in Kaurismäkis Film kein schwerer Brüter, sondern ein schmaler Mensch, der etwas verloren durch das Leben tastet. Wolfram Koch gibt ihm den traurigen Charme eines einsamen Straßenhundes. Kein Wunder, dass sich die mindestens genau so vereinsamte Dame von der Heilsarmee (Almut Zilcher) ohne viele Worte in ihn verliebt. Als Erzähler und in vielen wechselnden Frauenrollen, von der Gelegenheitshure im roten Glitzerfummel bis zur verkniffenen Bank-Mitarbeitern sorgt Samuel Finzi für komödiantische Leichtigkeit und fröhlich sinnfreie Spielfreude in Kaurismäkis Verlierer-Blues.

Text: Peter Laudenbach

tip-Bewertung: Sehenswert

Der Mann ohne Vergangenheit, Deutsches Theater, 9.1., 19.30 Uhr, 15.1., 20 Uhr, 16.1., 15 Uhr, Karten-Tel. 284 412 21

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