Theater

Der Pianist Igor Levit im Gespräch

Igor_Levittip: Welche wesentlichen Gefühlslagen haben Sie in den Diabelli-Variationen von Beethoven entdeckt??

Igor Levit: Das für mich so Faszinierende an den Veränderungen über Diabellis Walzer ist, dass wirklich alle Regungen da­rin vorkommen: Wut, Entsetzen, Hohn, Transzendenz, Heiligkeit, Trauer, Gier, Glück, Müdigkeit, Unsicherheit … Und alle sind sie wesentlich!

tip: Als Spielort haben Sie sich das Radialsystem ausgesucht. Brauchen junge Pianisten wie Sie solche neuen Räume und ein junges Pub­likums??

Levit: Ehrlich gesagt finde ich, dass es vor allem darum geht, was man tut, und nicht so sehr darum, wo man es tut. Macht Musik, Leute…! Der Raum ist ein Medium, so wie man selbst eines ist. Aber in erster Linie geht es darum, der Musik gegenüber da zu sein – und dem Publikum. Außerdem habe ich die Erfahrung gemacht, dass ein junges Publikum sich begeistert, wenn man es ernst nimmt. Es ist nicht so, dass nur verpoppte Klassik junge Leute in die Säle zieht.

tip: Sie verbinden Ihr Konzert mit Fotografie. Wie kann man sich das vorstellen??

Levit: Den Fotografen Felix Broede und mich verbindet eine enge Freundschaft. Kennengelernt haben wir uns übrigens über Beethoven: Für einen Fernsehsender spielte ich die Diabelli-Variationen, und Felix machte zu jeder Variation ein Foto. Ich fand das Ergebnis unglaublich, ich hatte mich vorher eigentlich nie spielen „sehen“. Was die Zuhörer jetzt erwartet, kann ich gar nicht vorhersagen. Für uns alle – darunter auch Regina Teichs, die als Videokünstlerin involviert ist – ist das Projekt eine Premiere.

Interview: Ulrike Rechel

Foto: Felix Broede

Igor Levit – Diabelli-Variationen Radialsystem, Do 26.5., 20 Uhr „Veränderungen“ (Konzertreihe mit Variationen von Bach, Liszt und Rzewski)

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