Theater

„Der Schmerz“ im Deutschen Theater

DerSchmerzEs ist kein Text, der nach Bebilderung schreit. Marguerite Duras erzählt in ihrer autobiographischen Prosa „Der Schmerz“ vom quälenden Warten auf die Rückkehr ihres Mannes, der als Rиsistance-Kämpfer von den Nazis ins Konzentrationslager Buchenwald deportiert wurde. Sie malt sich dessen Tod und Überleben aus. „Ich warte“, wird im Deutschen Theater in weißen Lettern auf die Bühnenrückwand projiziert. Die Buchstaben des Wortes „Krieg“ rattern vorbei, das Bild einer tickenden Uhr verwandelt sich in einen durchgestrichenen Smiley – kein Scherz. Corinna Harfouch unternimmt als Regisseurin und Schauspielerin den so riskanten wie entschiedenen Versuch, Duras Text auf die Bühne zu bringen.
Aber weil dessen innere Monologe kaum szenisch zu adaptieren sind, war offenbar jedes versymbolisierende Mittel recht. Unter anderem hat Harfouch mit Anna-Luise Recke und Hermann Heisig zwei Tänzer engagiert, deren Choreographien von einander verfehlender Sehnsucht erzählen sollen, allerdings eher nach missglückter Notbeatmung bei Drogenüberdosis aussehen.

Die Bühnenbildnerin Julia Oschatz stellt dazu hunderte schwarzer Kartons auf die Bühne, die permanent umgeschichtet werden, ein Kunstgewerbsbild für die verstreichende Zeit. Nach dem ersten Rondellbau gibt es tatsächlich Szenenapplaus für soviel deutschen Aufbaufleiß. Dabei hat diese „Schmerz“-Erzählung, die gen Ende mit einem Duras-Bericht über die Folterung eines Kollaborateurs kontrastiert wird, durchaus eindringliche Passagen. Etwa, wenn Harfouch in klarer, kalter Sprache die Rückkehr des auf 38 Kilo abgemagerten Mannes beschreibt. Vielleicht hätte sie mit dem Text einfach auf Lesereise gehen sollen.    

Text: Patrick Wildermann
Foto: Sonja Rothweiler

(tip-Bewertung: Zwiespältig )

Termine: Der Schmerz
Deutsches Theater, z.B. am 22., 23. 6., 19.30 Uhr

 

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