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„Der Schuh des Manitu“ als Musical im Theater des Westens

Der Schuh des ManituNichts zu lachen in Deutschland. Die Angst regiert, und das Land suhlt sich in Pessimismus. Und auch im „Schuh des Manitu“ kommt man um das Thema und einen kleinen Finanzkalauer nicht umhin: „Was ist heute schon sicher im Bankgeschäft“, entgegnet Häuptling Abahachi, als der Schoschonenhäuptling Listiger Lurch nach Sicherheiten für seine zwei Satteltaschen voll Gold fragt.
Das war’s dann aber auch mit Krisenrhetorik auf der Bühne der ein wenig bemüht zum Theater des (wilden) Westens umbenannten Bühne. Denn die Musical-Fassung von Bully Herbigs Westernparodie um die leicht debilen An­ti­helden Abahachi (Mathias Schlung), Ranger (Mark Seibert), den schwulen Winnetouch (Veit Schäfermeier) und Halbblut Uschi (Michelle Splietelhof) setzt auf ein Gute-Laune-Konjunkturprogramm. Songs und Tanznummern pimpen die Karl-May-Parodie zur üppig schillernden Bombastrevue auf. Kojoten jaulen, Kakteen tanzen. Es knallt und raucht an den richtigen Stellen. Die Technik ist ausgefeilt, Ausstattung, Kulisse, Kos­tüme – alles perfekt.
Zwölf Millionen Kinozuschauer, 65 Millionen Euro Umsatz und ein gutes Dutzend Gags und Figuren, die es ins kollektive Humorbewusstsein der Deutschen geschafft haben. Da war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis der Verwertungskette des „Schuh des Ma­nitu“ ein weiteres Glied angefügt wurde. Nach ABBA, Queen, Tarzan und einem Stück über die 80er Jahre ist der „Schuh“ das neueste Produkt des Musical-Marktführers Stage Entertainment.

Doch im Gegensatz zu solchen eher ironiefrei verwursteten Phänomenen traut sich das „Manitu“-Team, nicht nur das Westerngenre, sondern auch das Musical selbst auf die Schippe zu nehmen. Da schmettert die Räuberbande auf dem Weg zur Arbeit ein vertontes Muffin-Rezept, Häuptlingssohn Falscher Hase darf noch mal von den Toten auferstehen, um standesgemäß ein Abschiedslied zu trällern, und eine als Lebkuchenherz verkleidete Tänzerin trägt darauf die Aufschrift: „Ich hasse mein Kostüm.“ Bondage-Fans kommen aufgrund der vielen Fesselspielchen genauso auf ihre Kosten wie Freunde des debilen Humors, wenn ein sächsischer Polizist die Reiter per Radarkontrolle stoppt. Den Rest erledigen Choreografien der Saloon-Girls in silbernen Lackleder-BHs und Peitschenschwänzen am Popo. Und wo dem Team nichts eigenes einfällt, klaut man halt. Die Songs erinnern entweder an Disneyfilme oder Ennio-Morricone-Kompositionen. Macht nichts. Seit John Wayne und Dean Martin in „Rio Bravo“ zur Gitarre griffen, wurde im Wilden Westen nicht mehr so schön und ausgelassen gesungen.
Die Krise kann man dann allerdings beim Preis bekommen. Zwischen 40 und 100 Euro kostet eine Karte.

Text: Björn Trautwein
Foto: Deen van Meer/ Stage Entertainment

Tip-Bewertung: Sehenswert

Termine: Der Schuh des Manitu
im Theater des Wes­tens (Adresse + Googlemap)
Di, Do, Fr 19.30 Uhr, Mi 18.30 Uhr, Sa+So 14.30+19.30 Uhr. Tel.: 01805-44 44

 

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