Theater

„Der Sturm“ im Natur-Park Schöneberg

DerSturm_c_SusanneSchleyer_autorenarchiv_1„Keine Angst! Die Insel ist voll Lärm, voll Tön und süßer Lieder, die ergötzen und niemand Schaden tun.“ Und Caliban (Christian Sprecher) greift in der Inszenierung von „Der Sturm“ (Regie: Sebastian Kautz) der Shakespeare Company Berlin dem entsprechend auch zur unvermeidlichen E-Gitarre. „Der Sturm“ als sehr boulevardeske Schlagerrevue in Zirkuskostümen auf einer selbstgezimmerten Freilichtbühne im Natur-Park Schöneberg. Das ist natürlich sympathisch, wenn jetzt auch nicht  unbedingt überschäumend lustig. „Volkstheater“ ist das Stichwort der Company. Auch das ist mehr als legitim. Für den Text des Stücks und seine Komplexitäten interessiert sich die Regie nicht übermäßig. Das wird auf seine szenische Essenz reduziert: ein paar schiffbrüchige, notgeile Spinner und Säufer, von denen einige  rachedurstig Rechnungen offen haben, trösten sich in den unteren Chargen mit Slapsticknummern. Fehlt eigentlich nur noch die lustige Tiernummer. Als ein Stück über Kolonialismus, die magische Technik der Schrift, über den Geist gleichermaßen in Büchern wie Weinflaschen ist „Der Sturm“ schon gelesen worden. In Schöneberg ist es ein Stück übers Holzhacken geworden. Prospero (Paul Weismann ) geht direkt ins Wäldchen ab. Seine Tochter Miranda wird von Katharina Schenk in Personalunion mit dem Humanisten Gonzalo (zur Gonzala transformiert) gespielt und spricht unvermittelt von „bedingungslosem Grundeinkommen“. Her damit! Noch mehr Holz! Für Nostalgiker und Freunde von Parklandschaften, Mückenstichen, Bratwurst, Bier und anderen lustigen Sachen. Zweieinhalb Stunden Spielzeit mit Bierpause.

Text: Andreas Hahn

Foto: Susanne Schleyer

tip-Bewertung: Annehmbar

Der Sturm: Termine
im Natur-Park Schöneberg, Prellerweg 35.
Karten-Tel. 21 75 30 35

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