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Boyzie Cekwana zeigt Influx Controls im Ballhaus Naunynstraße

IWannaBeWannaBeEr gehört zu den aufregendsten Tänzern Südafrikas und findet auch international zunehmend Anerkennung. Mit seiner Trilogie „Influx Controls“ hat Boyzie Cekwana endgültig die europäischen Festivals erobert: Der erste Teil ?„I wanna be wanna be“ kam im letzten Jahr beim Zürcher Theaterspektakel zur Uraufführung und tourte danach kreuz und quer. Mit dem zweiten Teil, „On the 12th night of never, I will not be held black“, gastierte er in diesem Sommer unter anderem bei den Rencontres Chorйgraphiques in Saint-Denis. Nun kommt Cekwana, charismatischer Tänzer und raffiniert radikaler Choreograf, ins Ballhaus Naunynstraße. Schon die Titel seiner Stücke verweisen auf die Komplexität seines Ansatzes mit ihrer verträumt-verzweifelten Suche nach Identität, ihren Wortspielen und Apartheid-Referenzen: „Influx Controls“ war der Name des südafrikanischen Gesetzes aus dem Jahr 1923, das Schwarzen den Zuzug in die Städte verbot.

In „I wanna be wanna be“ sitzt Boyzie Cekwana die meiste Zeit an einem Schminktisch, bemalt sein Gesicht mit einer schwarzen Maske und spricht, während ein Assistent Pappschilder mit Wörtern und Zahlen hochhält. Das klingt fad, ist aber ziemlich atemberaubend in seiner explosiven Mischung aus Humor und Boshaftigkeit, Verdoppelung und Abstraktion. Anders als hiesige „Konzept-Choreografen“ mit ihrer Tendenz zur Langeweile, ist Boyzie viel zu sehr Performer, auch: Entertainer, um nicht noch aus nichts eine Aufführung zu zaubern, die unter die Haut geht. „With all things equal – I would be apologizing for speaking while I should be dancing“, sagt er oder „With all things equal – I wouldn’t be here on stage in front of you pretending it was good art“, und der Assistent kommentiert das, indem er ein Schild hochhält, auf dem „Liar“ steht. Das Ritual aus Behauptung und Gegenbehauptung schraubt sich in immer absurdere Höhen, um schließlich von saftigen Überraschungen zerstört zu werden. Dazu gehört zum Beispiel die Verwandlung des schönen schwarzen Mannes in eine Art Schneewittchen auf Abruf.
Cekwana spannt einen weiten Bogen: von der berüchtigten Berlin-Konferenz 1885, bei der die Kolonialmächte Afrika unter sich aufteilten, bis zum Leiden an Rassen- und Genderklischees. Er tut das mit großer Konzentration, sarkastischer Selbstironie und der Lust am eleganten Tanz der Worte und der Glieder. Ob er die Zuschauer damit ratlos macht oder provoziert, ist ihm eher egal – er weiß genau, was er will, und denen, die damit nicht einverstanden sind, liefert er das Argument gleich noch mit: „Exotic Fraud“ heißt es auf einem der Schilder.    

Text: Renate Klett
Foto: Christian Altorfer


Termine: Influx Controls


16.-18. September, 20 Uhr, Tickets 11 Euro
Ballhaus Naunynstraße, ?Naunynstr. 27, Kreuzberg
Reservierung unter 030 754 537 25
http://www.ballhausnaunynstrasse.de/

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