Theater

An der Volksbühne: der die mann

der die mann

Jetzt wissen wir endlich, was das A und O des Theaters ist: AAAAAAA AAAAAAA AAAAAAA und so weiter, beziehungsweise OOOOOOO OOOOOOO OOOOOOO. Gerne auch: AAAOAAA AAAAAA AAAOAAA. Und umgekehrt. Um viel mehr geht es im Theater nicht. Zumindest nicht im Fritsch-Theater. Und weil man die komponierten Silbenreihen auf der roten Show-Treppe im Chor singen, rhythmisch variieren, tanzen und gestisch kommentieren und grimassieren kann, ist das mehr als genug für eine hinreißende Theaterszene, in der es, logisch, um nichts geht.
Um nichts außer um das Vergnügen am Spiel, also um eine ganze Menge. Herbert Fritsch setzt seine mit „Murmel Murmel“ und „Ohne Titel Nr. 1“ begonnene Versuchsreihe, mit der er das Theater gut gelaunt vom Sinn-Zwang befreit, an der Volksbühne mit einer bunt funkelnden Inszenierung nach Texten des Wiener Laut-Dichters Konrad Bayer (1932–1964) fort.
Wie Bayer mit Silben, Sätzen, Worten spielt und die Spielregeln des Erzählens höchstens antippt, um sich über sie lustig zu machen, indem er seine Prosa so end- wie sinnlose Umwege gehen lässt, so jongliert das Fritsch-Ensemble mit dem Theater. Bayers Satz-Reihen, in denen nichts geschieht, als dass Herren mit pompösen Namen einander die Hand geben, seine Wortspiele („Stundenhotelefon“), die Sprachmusik („Damen im Rahmen der Dramen“) und die Geschichte, in der – kleiner Karlauer – alle Karl heißen, sind Spielmaterial der Performer. Fritschs Kostümbildnerin Victoria Baehr schenkt ihnen diesmal zu Beginn nostalgisch bunte, glänzende Fifties-Anzüge, und dann, quasi parallel zu Bayers Biografie, das Outfit der frühen Beatles (Pilzfrisur und smarte, hochgeschlossene graue Anzüge). Die Fritsch-Performer, das sind Florian Anderer, Jan Bluthardt, Werner Eng (der Mann verwandelt offensives Schmierantentum in höhere Kunst), die tolle Annika Meier, Ruth Rosenfeld (wenn es das Genre der Dada-Oper gibt, ist sie darin die Primadonna assoluta), der Volksbühnen-Veteran Axel Wandtke und Hubert Wild. Der geniale Ingo Günther an diversen Tasteninstrumenten (der bessere Jimi Tenor) und seine Mitmusiker lassen ihren Psychedlic Groove diesmal von Miles Davis in seiner elektrischen Phase bis zu Kraftwerk lässig surfen – große Freude!

Text: Peter Laudenbach

Foto: Thomas Aurin

der die mann, Volksbühne, ?Karten-Tel. 24 06 57 77

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