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„Der Zauberer“ von Peter Laudenbach

Peter Laudenbach
Es gibt Leute, die vor zehn Jahren allein wegen des ­Orchesters und dem jungen Dirigenten in die Komische Oper gegangen sind. Schon damals war Kirill Petrenko ein Ausnahmetalent, ein skrupulöser Arbeiter, der in den Proben die feinsten Strukturen und Nuancen der Musik zum Strahlen bringt. In München, wo er Generalmusikdirektor der Staatsoper ist, nennen sie Pe­trenko den „Zauberer“. Es ist eine ausgesprochen gute Nachricht, dass ihn die Berliner Philharmoniker, nicht nur das berühmteste und eines der besten Orchester der Welt, sondern dank der Selbstverwaltung der Musiker vielleicht auch eines der kompliziertesten, zum Nachfolger von Sir Simon Rattle gewählt haben. Mit Petrenko konzentrieren sich die Philharmoniker nach all den Education- und Vermittlungsprogrammen der Rattle-Jahre wieder auf ihr Kerngeschäft: Musik. Zum ersten Mal seit den Karajan-Jahren wählen sie einen Chef-Dirigenten, der bisher am CD-Markt praktisch nicht vorkommt. Anders als sein Vorgänger, auch anders als die anderen als mögliche Kandidaten für den prominentesten Job im Klassik-Olymp gehandelten Dirigenten von Christian Thielemann bis Gustavo Dudamel oder Daniel Barenboim, ist Petrenko an den ­Künsten der Eigen-PR und permanenten Selbstvermarktung komplett desinteressiert. Er gibt so gut wie keine Interviews und ist im öffentlichen Auftritt eher scheu und zurückhaltend. Während andere an ihrem Glamour-Faktor feilen, studiert er lieber Partituren.

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