Theater

Der zerbrochne Krug am Berliner Ensemble

Möbel, Autos und Klamotten gibt es immer wieder im Retro-Look, der auch die Hochsteckfrisur und die Brille der US-Vizepräsidentschaftskandidatin Sarah Palin zu bestimmen scheint. Außerdem gibt er für manche Inszenierung im Berliner Ensemble Form und Stil vor, wie bei Kleists Der zerbrochne Krug. Peter Stein hat das als Schullektüre verschlissene und zur eisernen Ration sämtlicher nach der Besucherquote schielenden Intendanten gewordene Lustspiel ganz weit weg von aller Heutigkeit und ohne erkennbaren Interpretationswillen arrangiert.

Das Bühnenbild von Ferdinand Wögerbauer folgt dem Kupferstich aus dem Jahr 1782, der Kleist zu seinem Stück inspirierte, während Stein versucht, die darauf abgebildete Konstellation so bunt und raffiniert lebendig werden zu lassen wie dereinst der Dichter. Doch trotz eines regiemäßig ziemlich frei laufenden Klaus Maria Brandauer als Dorfrichter Adam und trotz der zwölf vielleicht deswegen ziemlich eingeschüchtert wirkenden Hühner, die am Anfang durch die Gerichtsstube wuseln, kommt die einem halbwegs restaurativen Begriff von Werktreue geschuldete Aufführung nie auf die Beine. Sie bleibt ein historisierendes Tableau, aus dem es zumeist klar und deutlich spricht. Was gewiss keine kleine Leistung ist, nur wäre es schön gewesen, dazu auch ein bisschen mehr als bravgebürstete Retro-Locken sehen zu können.

Text: Irene Bazinger

Der zerbrochne Krug
Berliner Ensemble, Bertolt-Brecht-Platz 1, Mitte,
Mi 8.10., Do 9.10., 20.30 Uhr

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