Theater

Der zerbrochne Krug am Maxim Gorki Theater

der zerbrochene krugDass es in Kleists „Der zerbrochne Krug“ um Kleinigkeiten wie Adams Sündenfall aus der Unschuld geht, um den so aberwitzigen wie aberwitzig gelungenen Versuch, das Muster von Sophokles’ „Ödipus„-Tragödie in die straffe Komödien-Mechanik zu übertragen — das sind Germanisten-Probleme, die Jan Bosse in seiner gutgelaunten Inszenierung am Maxim Gorki Theater nicht weiter interessieren. Stattdessen: Pure, sozusagen freilaufende Spielfreude, keine Scheu vor weniger subtilen Scherzen und eine Gerichtsverhandlung, die samt all der peinlichen Intimitäten dem Muster der Nachmittags-Trash-Fernsehshows folgt. Das lebt vor allem von zwei furiosen Protagonisten. Edgar Selge spielt als Dorfrichter Adam die Vorgeschichte des Stücks nackt, peinlichkeitsfrei und einfach sehr komisch im Foyer inmitten der verblüfften Zuschauer: Die hektische Flucht des Ertappten, der zuvor das Dorfmädchen Eva zu sexuellen Dienstleistungen genötigt hatte. Sein Gegenspieler, Gerichtsrat Walter, ist bei Jean-Pierre Cornu, den unsereins seit seinen Auftritten bei Marthaler ohnehin bedingungslos verehrt, ein verkniffener Bürokrat, der aus dem Spiel mit dieser durchaus zu Sadismen fähigen Verkniffenheit seine ganz eigene Komik entwickelt.

Text: Peter Laudenbach
Foto
: Leonard Zübler

tip-Bewertung: Sehenswert

Termine: Der zerbrochne Krug
im Maxim Gorki Theater

PORTRÄT EDGAR SELGE

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