Kommentar

„Deutsches Theater“ von Peter Laudenbach

Wie AfD-Abgeordnete parlamentarische Gremien für die Inszenierung eines Kulturkampfes benutzen, kann man derzeit im Abgeordnetenhaus besichtigen. Die zweite Lesung zum Haushaltsentwurf Anfang des Monats nutzten sie, um zu demonstrieren, was sie unter Kultur verstehen

Peter Laudenbach

„Die AfD hat einen einfachen Kompass“, sagt Kultursenator Klaus Lederer (Linke). „Wer gegen Rassismus Position bezieht oder nichtdeutsche Künstler auf die Bühne bringt, darf nicht mit Kunstfreiheit rechnen, sondern muss sich, wenn es nach der AfD geht, auf Sanktionen gefasst machen.“
Zu den Änderungsanträgen, die die AfD im Kulturausschuss eingebracht hatte, gehörten Mittelkürzungen für bei den Rechtspopulisten unbeliebte Bühnen wie das Maxim Gorki Theater, das Deutsche Theater und den Friedrichstadtpalast. „Sie nehmen für sich in Anspruch, in die Freiheit der Kunst beliebig einzugreifen. Die massiven persönlichen Angriffe gegen einzelne Intendanten sind erschreckend“, konstatiert die Ausschuss-Vorsitzende Sabine Bangert (Grüne). Seit Berndt Schmidt, der Intendant des Friedrichstadtpalastes, in einem offenen Brief an seine Mitarbeiter etwas ungeschickt erklärt hatte, auf AfD-Anhänger im Publikum könne er verzichten, erhält er Mord- und Bombendrohungen. Im Kulturausschuss zweifelte daraufhin die AfD das „Demokratieverständnis“ Schmidts an und verlangt, die Zuschüsse für das Revue-Theater um 12,6 Prozent zu senken. Auch die Zuschüsse für das Gorki Theater würde die AfD gerne mit der Begründung, das „Wirken der Intendanz“ werde der „Aufgabe, breite Teile der Bevölkerung zu erreichen, nicht gerecht“, um rund eine Million Euro kürzen. So klingen Einschüchterungsversuche in der Sprache parlamentarischer Anträge.

Mehr über Cookies erfahren