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„Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ in der Schaubühne

DieBitterenTraenenDerPetraVonKant_c_GianmarcoBresadola… von ihm selbst in schönster Komplettkünstlichkeit verfilmtes Melodram „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ zu reanimieren. Der weiße Flokati (Bühne: Mascha Mazur) verweist auf die Popgeschmacksvorlieben der frühen Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts, die Entstehungszeit des Stücks. Auch das Personal, die verzickt mondäne Modedesignerin Petra von Kant (Jule Böwe, immer eine herbe Freude) und ihre sie ausnützende Geliebte Karin (Lucy Wirth), verströmt schweren Retro-Appeal. Lustig: So gekünstelt, weltvergessen, von sich selbst und den eigenen Gefühlen fasziniert wurde damals in der alten, wohlstandsgemütlichen Bundesrepublik geredet.

Fassbinder variiert hier betont kühl und schematisch sein Lieblingsmotiv: Die Ausbeutbarkeit von Gefühlen, in dem Fall der Gefühle der verliebten Designerin, die sich die Zuneigung ihrer Freundin kaufen will, indem sie sie zum Model macht. Wengenroth kontert Fassbinders Manierismen mit lässiger Ironie, singt zur Auflockerung ziemlich lustig im Tigerkostüm „Love Cats“ von The Cure, nimmt aber trotz aller Ironiesignale die Figuren und ihre Beziehungsmachtkämpfe ernst wie ein sadistischer Verhaltensforscher seine Untersuchungsobjekte im Menschenversuchslabor.

Text: Peter Laudenbach

Foto: Gianmarco Bresadola

tip-Bewertung: Annehmbar

Die bitteren Tränen der Petra von Kant Schaubühne, Di 1., Mi 2.10., 20 Uhr, Karten-Tel. 89 00 23

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