Theater

Die Ehe der Maria Braun an der Schaubühne

Die_Ehe_der_Maria_Braun_Brigitte_HobmeierRainer Werner Fassbinders Film „Die Ehe der Maria Braun“ (1978) skizzierte ca. 30 Jahre nach der Gründung der BRD die Stimmung in Deutschland zur Wirtschaftswunder-Zeit. Seine Heldin Maria steht dabei für eine ganze Generation von Frauen, die sich im Krieg durchgeschlagen haben und nach dem Krieg zu cleveren Managerinnen des neuen Wohlstands geworden sind. Maria, die ihren schwarzen Lover erschlagen hat als ihr vermisster Mann Hermann unverhofft aus dem Krieg zurückkehrt, geht die nächste vorteilhafte Liaison ein mit dem Strumpffabrikanten Oswald während ihr Mann an ihrer Stelle ins Gefängnis geht. Nach Hermanns Rückkehr ist das Paar zwar reich, aber Maria muss erkennen, dass auch sie selbst nur Teil eines Tauschgeschäftes in einer Männerwelt ist.

Fassbinders international erfolgreichsten Film hat Thomas Ostermeier 2007 an den Münchner Kammerspielen mit Brigitte Hobmeier in der Hauptrolle inszeniert. Nach dem Drehbuch von Peter Märthesheimer und Pea Fröhlich reichert der Schaubühnen-Regisseur seine Inszenierung mit historischen Tonbeispielen wie etwa Adenauers Reden gegen und für eine Remilitarisierung Deutschlands an. Wie im Zeitraffer laufen die Ereignisse ab, allzu blanker Realismus wird jedoch zum Beispiel durch schräge Travestie-Nummern oder absurde Ballett-Sequenzen aufgelockert.

Ostermeiers Inszenierung wurde 2008 zum Theatertreffen eingeladen. In der Jurybegründung hieß es: „ In seiner geradlinig erzählten, eleganten und höchst komödiantischen Bühnenadaption vermeidet Ostermeier jede Aktualisierung – und doch scheint die Maria Braun seiner 50er Jahre Gender-Studie wie ein früher Vorläufer unserer heutigen Ich-AGs“


Fotos
: Arno Declair

Termine: „Die Ehe der Maria Braun
an der Schaubühne
Premiere: 23.11., 20 Uhr (ausverkauft), nächster Termin: 20.12.

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