Theater

„Die Eiserne Lady“ in der Bar jeder Vernunft

Die_eiserne_Lady_KusterBarbaraFrau Kuster, Sie sind in Ihrem Programm „Die Eiserne Lady“ davon überzeugt, dass Sie die nächste Bundespräsidentin sind. Wie kommen Sie darauf?
BARBARA KUSTER
Es ist ja mal an der Zeit, dass wir eine Bundespräsidentin kriegen. Herrn Gauck können wir uns auf die Dauer nicht leisten. Der Mann hat so eine heilige Aura. Ich würde mich nicht wundern, wenn der demnächst übers Wasser läuft. Da wo er spricht, da ruht die Arbeit. Bei mir ist das anders. Meine Ansagen sind kurz und bündig, ganz klare Anweisungen. Ich weiß noch, wie der Stahl gehärtet wird, und notfalls mache ich das auch noch alleine.

Das heißt, die Deutschen haben nichts zu lachen, wenn Sie unser Staatsoberhaupt werden?
Ich komme aus einem preußischen Stall, bei mir sind knappe Anweisungen üblich. Ich werde an diesem Abend ganz konkrete Probleme lösen, aber ich werde auch singen. Ich werde meine ganze Kraft zum Nutzen des deutschen Volkes und meines Publikums einsetzen, das wird sehr kurzweilig sein.

Was haben Sie gegen Pastor Gauck? Feierlich heiße Luft zu verbreiten, ist halt der Job eines Bundespräsidenten. Das macht er als Ersatz-König doch ordentlich.
Gauck hat schon den Touch einer erbaulichen Führungskraft, offenbar brauchen das die Menschen in unserem Land. Und er ist ja auch billiger als das britische Königshaus. Aber er hält mit seinen Reden die Menschen von der Arbeit ab. Das kann ich als Preußin auch im Interesse des Wirtschaftsstandorts natürlich nicht gutheißen.

Wenn Sie Bundespräsidentin sind – was wäre Ihr Werbe-Claim, Ihre Ruck-Rede an die Deutschen?
Ich halte an diesem Abend ja sehr viele Reden, Reden über den Islam, über Deutschland als solches und dann natürlich eine Rede, die mein Credo sein soll, so wie Weizsäcker den 8. Mai 1945 als Tag der Befreiung gefeiert hat oder wie der, wie hieß der gleich, habe ich vergessen, ist ja auch egal, wie der Dingsbums seine Ruck-Rede gehalten hat. Mein Credo lautet: Häschen in der Grube saß und schlief.

Aha.
Dieser Satz wird Deutschland in Bewegung versetzen.

Das klingt eher wie ein Satz, der Deutschland in den Tiefschlaf versetzt.
Überhaupt nicht! Die Grünen werden die ökologisch brisante Frage aufwerfen, ob das Gras vielleicht schadstoffbelastet war. Hat sich das auf die Schilddrüsenfunktion des Hasen ausgewirkt? Rührt daher die Apathie? Die Kunsthistoriker werden an den Dürer-Hasen denken. Wir kümmern uns um diesen Hasen! Ganz Deutschland wird über diesen Satz nachdenken!

Sie haben ein Stück im Programm, das sich dem deutschen Wutbürger widmet und sich musikalisch an der deutschen Kapelle Rammstein orientiert. Was verbindet Sie außer der ostdeutschen Herkunft mit Rammstein? Spucken Sie auch Feuer auf der Bühne?
Rammstein ist für mich eine Gruppe, die sozialhygienisch sehr ganz nützlich ist, weil sie Hassentsorgung betreibt. Hass schwächt das Immunsystem und dann bricht er aus, der Herpes. Also muss man sich des Hasses entledigen, schon wegen der Haut. Rammstein sollten von der Krankenkasse bezahlt werden.    

Interview: Peter Laudenbach
Foto: JensWiese/Agentur Hanna Kuster

Die Eiserne Lady
Bar jeder Vernunft,
Do 1.–Sa 3.8., Di 6.–Sa 10.8., 20 Uhr, So 11.8., 19 Uhr,
Karten-Tel. 883 15 82

 

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