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„Die Frau vom Meer“ im Deutschen Theater

Ellida (Susanne Wolff) hat zwei Hobbys: Schwimmen und Sehnsucht. In der Beziehung mit dem Bezirksarzt Doktor Wangel (Steven Scharf) fühlt sich die Leuchtturmwächtertochter irgendwie unfrei. Zu seinen beiden Töchtern aus erster Ehe – Bolette (Franziska Machens) und Hilde (Lisa Hrdina) – bekommt sie keinen Bezug. Und das gemeinsame Kind der unglücklich Verheirateten ist bereits im Säuglingsalter gestorben. Furchtbar alles. Tristesse am Fjord.
Also flüchtet sich Ellida in Tagträumereien von einem kriminellen Seemann, mit dem sie mal eine Art Verlobung auf See gefeiert hat, nur dass der dann leider das Weite suchen musste. Es geht um Lebenslügen, enttäuschte Hoffnungen, geheime Wünsche. Mit anderen Worten: gähn, schnarch, dämmer. Für Ibsens Feuchtgebiete-Drama „Die Frau vom Meer“ braucht man schon einen sehr starken Zugriff, andernfalls plätschert das Lieblosigkeitsspiel nur so dahin. Und damit ist keine Heutigkeits-Huberei gemeint, die norwegische Küsten-Kalamitäten des 19. Jahrhunderts nach Berlin-Mitte zwingt. Sondern eine innere Notwendigkeit des Erzählens. Die spürt man in Stephan Kimmigs Ibsen-Tauchgang am Deutschen Theater nicht.
Die Inszenierung stammt aus der Programmreihe „Verstaubte Klassiker ratlos bebildert“. Bühnenbildnerin Katja Haß hat einen Holzkasten mit Außendusche hingestellt, in dem und um den herum sich die entfremdete Patchwork-Familie mal mit ironischem Unterton und nervöser Zuckgestik, mal bierernst zu trauriger Musik begegnet. Manchmal wird unter der Dusche „Voyage, Voyage“ gesungen. Dann wieder mit großen Augen die unauslöschliche Erinnerung beschworen. Fest steht, dass diese belanglose, unentschiedene Inszenierung nicht lange im Gedächtnis bleibt.               

Text: Patrick Wildermann

Foto: Arno Declair

Die Frau vom Meer im Deutschen Theater, Karten-Tel. 28 44 12 25

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