Theater

„Die Heimkehr des Odysseus“ in der Schaubühne

DieHeimkehrDesOdysseusDavid Marton, einst musikalischer Leiter bei Inszenierungen von Frank Castorf und Christoph Marthaler, kreuzt in seinen Regiearbeiten sehr lässig, assoziationsreich und klug Oper und Schauspiel und hat so sein eigenes schönes Musiktheater-Genre geschaffen. Seine neue Produktion an der Schaubühne spielt gewohnt frei mit Monteverdis Oper „Die Heimkehr des Odysseus“ und dem mythologischen Stoff. Aber leider bleibt die Inszenierung entschieden hinter Martons Möglichkeiten zurück. Die Bühne (Alissa Kolbusch): Ein Rumpelkabinett mit Küche, Schreibtisch, Schränken und Hinterzimmer, weder Antike noch Monteverdis Renaissance, eher ein angegammeltes Bürgerbiotop, eine Resterampe im ­Viebrock-Stil. Hier vertreiben sich Penelope (Jule Böwe), ihr Sohn Telemach (komisch: Matthias Matschke) und ein etwas depravierter Hofstaat die Zeit mit sinnfreien Spielen. Telemach doziert über Quantenphysik und fragt, wo Papa Odysseus bleibt, eine Besucherin singt Opernarien, man sinniert über das Wesen der Zeit, zitiert Homer und überlegt, wie man den Mythos Odysseus vermarkten könnte. Dazwischen wird telefoniert, langsam macht sich Lagerkoller breit und Telemach nutzt aus, dass Odysseus immer noch nicht kommt und knutscht ein bisschen mit seiner Mutter. Auch dass Odysseus (toll: Ernst Stötzner) endlich auftaucht, ändert nichts am unverbindlich ziellosen Spiel. Das ist dank der Spielfreude der Darsteller ein sympathischer, leider auch arg ins Leere laufender Scherzartikel, aber nicht mehr. Von der Wucht des antiken Stoffes (aus dem Botho Strauß mit „Ithaka“ einst ein schön reaktionäres Theaterstück gemacht hat) ist dieser nette Ringelpiez ebenso weit entfernt wie von den Schönheiten  Monteverdis.

Text: Peter Laudenbach

Foto: David Marton

tip-Bewertung: Zwiespältig

Die Heimkehr des Odysseus Schaubühne, Fr 25.2., 20 Uhr

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